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1. Frauen mit Turniersieg

von Martin Eitner

Das Ende der Vorbereitung fest im Blick, zog es die 1. Damen, im Volksmund auch als First Ladies bekannt, in ganz fremde Gefilde nach Baden-Württemberg ins Trainingslager.  Nach langem Turniertag am Samstag rettete sich die neuformierte Mannschaft um Headcoach Volker Waffenschmidt mit einem Remis im letzten Spiel den Turniersieg und versüßte sich somit das schweißtreibende Wochenende. Aber der Reihe nach:

Abfahrt des ersten Teils der Mannschaft war bereits zur ungewöhnlich frühen Zeit am Freitagmittag. Nachdem der Bus nach kleiner Verspätung am Treffpunkt auf dem Parkplatz des altehrwürdigen Sachsen-Doms eintraf, ging es auch als gleich los, quer durch die Republik gen Süden, wo nach 6 Stunden der beschauliche Ort Neuenstadt am Kocher erreicht wurde. Wem ad hoc nicht einfallen möchte, wo sich dieses schöne Fleckchen Erde nochmal befinde, bediene sich Wikipedia und werde belehrt, dass es sich hierbei um eine Stadt im Landkreis Heilbronn im fränkisch geprägten Nordosten von Baden-Württemberg handelt. Stimmt, wusst ick ´s doch. Nach kurzem Spaziergang über Wiesen und Felder wurden dann auch gleich die Hallenschuhe ausgepackt und eine „lockere“ Trainingseinheit mit für die Region üblichen klebrigem Spielgerät hingelegt. Die dafür ausgewählte Spielstädte der HSG Kochertürn/Stein ließ Berliner Handballherzen höher schlagen: saubere Halle, mit Kleber bespielbar und dazu noch bestens ausgestattet mit einem stets aufmerksamen Gastgeber Deniz, der weder Mühen noch Zeit sparte uns tagsüber und an den Abenden mit wohltemperierten Getränken, erst Wasser dann Tannenzäpfle und Hugo, zu versorgen. Was´n Service! Vielen Dank! Gegen 22:00 Uhr trafen dann auch die Nachzüglerinnen rund um Betreuer H. Hedtke ein und gemeinsam ging es in die nahegelegene Pizzeria. Sämtliche Energiespeicher wurden aufgefüllt und nach einer annehmbaren Menge an Kaltschalen auch bald die Nachtruhe eingeläutet. Läuten sollte nämlich auch bald wieder der Wecker, diesmal aber zum Frühstück und zum lockeren Warm-up vor dem Turniertag. Locker ist in jedem Falle eine Beschreibung, die unterschiedlich interpretiert werden kann…

Um 12:30 Uhr wurde es dann ernst: der erste Gegner TSV Nordheim kam deutlich besser mit dem klebrigen Spielgerät zurecht als die Gäste aus dem Norden. Eine dazu noch ungewohnte Spielerinnenkonstellation tat ihr Übriges. Kurzum erwischte die Schöneberger Auswahl keinen Traumstart. Die einstudierten Auftakthandlungen gingen zwar recht gut von der Hand, der Abschluss aber ließ zu wünschen übrig. Dafür verantwortlich war zumeist die Markierung rund um das gegnerische Tor, die es zu betreten zu vermeiden galt, was jedoch nicht immer gelang. Zum gedanklichen Seitenwechsel, der nicht ausgeführt, aber mit einer Spielunterbrechung nach 15 Minuten zumindest angedeutet wurde, stand ein gefühlt unnötiges Unentschieden zu Buche. Neutrainer Waffenschmidt fand deutliche Worte und seine Damen wussten etwas damit anzufangen. Tor für Tor konnten wir uns mit einer nun mit ausreichendem Abstand zum Tor treffsicheren Ä. Rehmer auf der rechten und J. Vergin auf der linken Außenseite absetzen und nach 30 Minuten mit 8:12 den ersten Erfolg verbuchen. Jut!

Im zweiten Turnierspiel ging es gegen die SG Nußloch. Die für die verhinderte M. Schmidt mitgereiste N. Sahabi – liebsten Dank an der Stelle – hütete nun den Berliner Kasten. Wer vorher Zweifel ob der Unerfahrenheit selbiger hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt: N. Sahabi zeigte eine Spitzenleistung und wuchs über sich hinaus. Großartig! Toll! Mega! Ein Superlativ übertraf das andere und auch Kollegin J. Neeb war schwer begeistert. Im Angriff und in der Abwehr tat man sich leider sehr schwer, auch wenn sich die Hauptstädterinnen langsam an das haftende Leder gewöhnt hatten. Über die Zeit konnte dann aber doch ein knapper Erfolg von 13:14 zu unseren Gunsten gerettet werden.

Das dritte Spiel gegen den Ligakollegen im Geiste, die SG Kappelwindeck/Steinbach, sollte das Schlüsselspiel sein. Trainer Waffenschmidt entschied sich experimentierfreudig für eine ungewohnte, aber schlussendlich effektive Aufstellung seiner Damen. In der Abwehr zeigte C. „Zerstörer“ Wodetzki, dass ein Vorbeikommen an der sonst so ausgeglichenen und liebenswerten jungen Dame schier unmöglich zu sein schien. Im Angriff setze A. Rauhut auf der Mitteposition ihre auf den Halben agierenden Mitspielerinnen gegen eine sehr offensive und überragend gespielte Abwehr clever in Szene. Davon profitierte insbesondere die ebenfalls aus den Norden Berlins kommende Verstärkung in Person von M. Kern, die durch eine hohe Laufbereitschaft - welche möglicherweise auch durch ihre Abneigung von Körperkontakt beim Vollkontaktsport Handball nochmals befördert wurde - immer wieder die Lücke in der Abwehr fand und diese humorlos ausnutze. Urgestein J. Neeb wuchs  erneut über sich hinaus und egalisierte so manch Hunderprozentigen. Die Damen aus der württembergischen Oberliga ließen sich aber weder abschütteln noch entmutigen und zeigten ein ums andere Mal, welch großartiges Potenzial in der im Durchschnitt 6 Jahre jüngeren Mannschaft steckte. Jedoch konnten wir über 30 Minuten die Konzentration hochhalten und auch der Stromausfall kurz vor Schluss tat der Erfolgssträhne der Schönebergerinnen keinen Abbruch. Bei Abpfiff stand es 15:12 für die Berlinerinnen.

Im letzen Spiel ging es um die schon so häufig erwähnte Wurst. Sieg oder Unentschieden hätten den Turniersieg bedeutet. Wie aber so oft in Turnieren ist das letzte Spiel das schwerste, zollt man den Partien vorher Tribut, ist die Luft raus und sind die Knochen müde. Zusammengefasst: wir taten uns schwer. Es wirkte ein wenig so, als hätte der Gegner und gleichzeitig Heimverein und Gastgeber, HSG Kochertürn/Stein, die vielfach sagenumwobene zweite Luft und durchweg ein glücklicheres Händchen. Die ersten 15 Minuten waren sicherlich keine Schande – das Wort „Schade!“ wurde aus selbigem Grund nun inflationär benutzt. Mit einem kleinen Rückstand ging es zum Pausentee, der sogleich auch eine Umstellung der Aufstellung brachte. Zunächst aber sahen die interessierten Zuschauer leichte Auflösungserscheinungen der SG aus Berlin: der Ball lief nicht mehr ganz so geschmeidig und die technischen Fehler nahmen zu. Der Gegner wusste das eiskalt auszunutzen und so wuchs der Rückstand auf die Baden-Württembergerinnen auf sechs Zähler heran. Nun hieß es also Cojones zu zeigen, die letzten Körner herauszuholen, hop oder top, Ente oder Trente. Das Tempo wurde nochmal angezogen und auch die Reserve auf der Bank bäumte sich akustisch erneut auf. Tor für Tor arbeiteten wir uns heran, J. Neeb im Tor erwischte nochmals eine Sahne-Viertelstunde und 90 Sekunden vor Schluss waren es dennoch sage und schreibe immer noch drei Tore Rückstand. So richtig kann sich die Autorin nicht mehr erinnern wie, aber ziemlich genau 82 Sekunden später zeigte die Anzeigetafel beim Anwurf des Gegners nur noch ein Tor Differenz an. Die Kombination aus offensiver Abwehr, einer blitzschnell agierenden A. Labenski und einem daraus folgendem traumhaften Aufziehens und Ablegens der gedankenschnellen S. Hoffmann auf die mitlaufende I. Wiesner, die dann nur noch einschenken musste, führten dann in der letzten Sekunde  doch noch zum Unentschieden (14:14) und Turniersieg. Kannste dir nich ausdenken sowatt!

Das Glück über den Sieg wurde anschließend gebührend begossen. Gastgeber und Organisatoren Deniz und Tobias hatten sich ordentlich Gedanken gemacht die ausgehtechnisch anspruchsvollen und verwöhnten Damen aus der Muddastadt zu unterhalten und so landete man in illustrer Runde in der für die Gegend eher ungewöhnlich getauften Schänke „Strandkorb“. Nachdem die Bäuche vollgeschlagen waren, entschloss man sich die flüssigen Vorräte an der Schlafstätte zu vernichten und dieses noch mit einem dafür prädestinierten Spiel zu beschleunigen. Manch eine wuchs über sich hinaus, manch einer hat´s nicht so richtig verstanden, aber alle hatten Spaß. Nach einer in Abhängigkeit von der Vernunft eher kürzeren oder sehr kurzen Nacht, wurde diese wieder mit der Aussicht auf Frühstück und anschließend lockerem Training (meine Fresse, da will es aber jemand wissen!) beendet.

Was dann folgte, lässt sich mit duschen, rein in` Bus, Mukke, Black Stories, Mekkes, Mukke, Pause, Sachsendamm, raus aus´m Bus, Bettchen zusammenfassen. Wirklich großen Dank gilt es den Gastgebern zu sagen: von Unterkunft über Versorgung und Frühstück war alles bestens organisiert. Vielen Dank, dass wir da sein durften. Ihr seid toll! Auch wenn wir nicht immer alles verstanden haben. Dank gilt ebenso den Busfahrern und Familie Friedrich für die kulinarische Bereicherung. Großen Dank auch an die Mannschaft, die toll funktioniert hat, auf und neben der Platte!

 

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