Spielbericht
VfL Tegel II   vs.   2. Männer

12.11.2016

Nimm mir die Butter vom Brot, Baby!

VfL Tegel

VfL Tegel II

27 - 26
SG OSF Berlin

2. Männer

Liebe Gemeinde,

für die 2. Männer der SG OSF ist diesjährige Pokal-Runde gelaufen. Nach einer umkämpften Partie bei Landesligakonkurrent VfL Tegel II zog man am vergangenen Samstag mit 26:27 den Kürzeren und hat nun wieder ein paar Wochenenden mehr frei. Glückwunsch…

Wer auf die nackten Zahlen guckt, wird nicht umhin kommen festzustellen, dass sich im Hinblick auf die Torausbeute der Schöneberger Gäste eine bemerkenswerte Differenz zwischen erster und zweiter Halbzeit auftut, wohingegen die Tegeler Zähler vor und nach der Pause nahezu deckungsgleich sind. In Ermangelung der Möglichkeit auf den Spielberichtsbogen  – wo ist der Fetzen eigentlich?! – schmulen und hierbei hilfreiche Differenzierungen vornehmen zu können, muss sich der Verfasser an die nackten, nicht zu leugnenden Zahlen halten. Heißt: Durchgang eins mit 17 eigenen Treffern mehr als erfreulich, Durchgang zwei dementsprechend mit nur noch 9 Treffern ernüchternder Murks. Wenn, dann wünscht man sich das wenigstens anders herum. Ebenso könnte man anhand der Zahlen die Abwehrarbeit noch als „konstant“ und „solide“ einordnen. Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär...

Rückblickend muss festgestellt werden, dass die starke Angriffsleistung in Durchgang Eins vor allem auf den wild-famosen Auftritt eines gewissen Philipp B. zurückzuführen ist, der vornehmlich mittels völlig neuer Waffen [sic!] – sprich: Wacklern und Hüftwürfen – zu vielfachem Erfolg kam. Und wer denkt, der Mann kann nur „zur Hand“ gehen, hat offensichtlich noch nicht von seiner hin und wieder ausgeübten Artistennummer „fliegender Mensch in der Horizontalen“ gehört. Kurzum: Eine individuelle Klasseleistung sorgte für viele Treffer. Der Rest der Truppe spielte zunächst noch einen gefälligen Stiefel runter, allein, der unbedingte Druck und das kaltschnäuzige Verwerten der durchaus gegebenen Einnetzmöglichkeiten waren der Leistung der Vorwoche gegen die SG FES jedoch nicht ebenbürtig. Der Verfasser ist versucht dies auf weniger Spannung in den eigenen und mehr Spannung in den gegnerischen Reihen zurückführen. Die Tegeler nämlich traten trotz ihres fast durchgängig sehr jungen Alters wie eine Männertruppe auf: humorlos, hart und mutig. Bereits nach einigen Minuten konnte man erkennen, dass hier in der Jugend ein wohlbekannter heutiger Männerspieler der Tegeler Oberligatruppe am Werk war. Das Kreisspiel in Angriff wie Abwehr war höchst ausgeprägt, mit allerlei Rafinessen versehen und vor allem: effektiv. Viel zu viele Tore fingen sich die orange gewandeten Gäste aus Schöneberg über die 6-m-Linie, ein Großteil hiervon resultierte aus teils hübsch anzusehenden Passspielen an den Kreisspieler, der beherzt zu vollstrecken vermochte oder einen Strafwurf herauf beschwor.

An dieser Stelle ein kleiner Kommentar zur Leistung der jungen Schiedsrichter: mitnichten waren sie spielentscheidend oder gar für eine Seite bevorteilend, eine klare Linie bei der Bewertung identischer Situationen ließ sich allerdings nicht erkennen.Ok. Die diversen Scharmützel abseits des Balles allerdings, vornehmlich im Kreisrevier, wo offensichtlich und in fast schon abstrus-komischer Art um die richtige Position gefochten wurde, hätten unbedingt von Beginn an reglementiert werden müssen. Dies geht allerdings nur, wenn sich einer der beiden Unparteiischen auch für diesen Bereich des Spielfeldes verantwortlich fühlt und nicht, wie sein Kollege, der fliegenden Pille hinterherguckt. Sei’s drum: Die OSF-Recken müssen sich hier vorwerfen lassen die allgemeine „Feuer-frei!“-Stimmung nicht ebenfalls angenommen zu haben. So war das körperliche Verhalten schlichtweg zu brav. Traurig, aber wahr.

Zurück zum Werdegang der Niederlage. Klar fielen auch Gegentreffer über andere Positionen, die Hauptproblematik mindert dies jedoch nicht. Solange der Angriff bzw. Philipp flutschte, ließ sich über diesen Aspekt noch relativ lässig hinweg sehen – siehe der Halbzeitstand von 17:14 für die Guten, die in den letzten zehn Minuten vor dem Pausentee eine leichte Absetzbewegung starten konnten. Genauso sollte es weiter gehen, eingedenk der Möglichkeit, dass die Hausherren sicherlich versuchen würden den Spieß umzudrehen.

Gesagt, getan – unter tüchtiger Mithilfe der Schöneberger, die sich nun die Butter vom Brot nehmen ließen. Deren Angriffsmotor soff zusehends ab. Ein intelligentes und druckvolles Zusammenspiel kam immer seltener zum Tragen, stattdessen verzettelten sich die Akteure zunehmend in Hektik und Einzelaktionen. Ein Spiel mit klarem Kopf sieht anders aus. Tegel hingegen spielte unbeirrt weiter und drehte die Partie. Wiederholt war es nicht fehlende Motivation – hin und wieder führten brachial-beherzte individuelle Aktionen sogar zu wichtigen Treffern –, sondern vielmehr Kopflosigkeit und fehlendes Wurfglück, was die Bemühungen der OSF’ler gegen den Trend anzukämpfen zusehends mühsamer erscheinen ließen. Die Tegeler hatten an diesem Tag schlichtweg die bessere Brechstange zur Hand. Am Ende stand eine knappe, sich über die letzten Minuten allerdings andeutende, Niederlage zu Buche. Mit 26:27 schied die zweite Wahl Schönebergs aus dem diesjährigen Pokal aus.

Diese Pokal-Niederlage führte mal wieder vor Augen, dass die OSF-Truppe für jede Überraschung „gut“ ist. Vielleicht war es eine gewisse Sorglosigkeit angesichts des überzeugenden Auftritts nahezu der gleichen Mannschaft in der Vorwoche, vielleicht auch der Umstand, dass sich die OSF-Reihen hin und wieder zu sehr mit sich selbst und ihren negativen Emotionen oder den Schiedsrichtern beschäftigen, vielleicht war es aber auch die deutlich höhere Qualität des Gegners, die zu diesem Resultat führte. Dem Verfasser scheint, es war ein bisschen was von allem zusammen.

Gelegenheit zur Revanche gegen Tegel II gibt es im Verlauf der diesjährigen Landesliga-Saison noch zweimal. Zunächst steht aber erstmal die Liga-Aufgabe gegen die Zweitvertretung vom TSV Rudow am kommenden Samstag um 16:00 Uhr aufm Geisberg an. Vorher ist bereits die 3. Männer im Einsatz. Zahlreiche, lautstarke Zuschauer sind gern gesehen. Langweilig dürfte es nicht werden. Wird es schließlich nie.

Statistik fehlt.

Die Redaktion

i. A. Martin Eitner

VfL Tegel II - SG OSF Berlin
27:26 (14:17)