Spielbericht
HSG Neukölln   vs.   1. Frauen

03.12.2016

Niederlage mit ganz bitterem Beigeschmack

HSG Neukölln

HSG Neukölln

26 - 25
SG OSF Berlin

1. Frauen

Die 1. Frauen mussten am Wochenende nach 40 herausragenden Minuten ein sicher geglaubtes Spiel in den Schlussminuten bei der HSG Neukölln hergeben. Nachdem bereits zur Halbzeit ein kleines Polster von drei Toren herausgespielt werden konnte, wurde die Partie nach zwischenzeitlicher 8-Tore-Führung bitter verloren. Die zerfahrenden Schlussminuten waren geprägt von Hektik beider Mannschaften und unterschiedlicher Bewertung gleicher Situation durch die Schiedsrichter.

Der Samstag sollte das Punktekonto der 1. Frauen weiter aufstocken und die wenig erfolgreiche und sich zu Ende neigende Hinrunde zumindest ein wenig aufwerten. Bis auf die noch immer verletzte K. Hinz fanden alle Spielerinnen den Weg nach Neukölln und dies trotz der vorabendlichen Weihnachtsfeier erstaunlich wach und in jeglicher Hinsicht unbeschadet.

Gegen jede Regel in der laufenden Spielzeit verliefen die ersten Minuten konzentriert und – man höre und staune – abschlusssicher. Die sich erspielten Torchancen wurden aus jeglichen Positionen genutzt und in Zählbares umgemünzt. K. Höhne traf sicher von außen und J. Eisold bewies erneut ihre Qualität aus dem Rückraum.  J. Neeb konnte im Gehäuse an ihre Leistung aus dem vorherigen Spiel anknüpfen und in Kombination mit der sicher stehenden defensiven Abwehr ergab sich eine stabile Defensive, die die Neuköllnerinnen zunächst vor eine anspruchsvolle Aufgabe stellte. Erarbeitete Ballgewinne führten ein ums andere Mal zur zweiten Welle, die mehrfach erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Mitte der ersten Halbzeit schlich sich der altbekannte und wenig beliebte Schlendrian ein und ließ den zuvor herausgespielten Vorsprung wieder schmelzen. Nach einigen Minuten war dieser Spuk wieder vorbei und zum Pausenpfiff stand ein 10:13 aus Sicht der Neuköllner Gastgeber auf der Anzeigetafel.

Zu Anfang der zweiten Halbzeit konnte an die starke Form zu Beginn der ersten Halbzeit angeknüpft werden. Nach etwa 40 Minuten stand es 13:21, bevor die Neuköllnerinnen wieder besser ins Spiel kamen. Hier zeigten die Gegnerinnen große Moral und konnten durch eine über sich herauswachsende Conny Knebel im Tor den Abstand auf 18:22 verringern. Für die SG-Damen hingegen begann in den letzten 20 Minuten eine bittere Pechsträhne, geprägt von Latten- und Pfostentreffern sowie Ballverlusten, die erstaunlicher Weise nicht auf das eigene technische Unvermögen beim Transport des Balles zurückzuführen waren. Zudem kam das Kreisspiel der HSG‘lerinnen immer besser in Schwung, was durch die Schiedsrichter fast grundsätzlich mit einem 7-m-Strafwurf belohnt wurde, wenn der Ball nicht im Tor landete. Leider war diese Entscheidungsfreude nur auf der einen Seite des Spielfeldes zu erkennen – gut herausgespielte Gelegenheiten für S. Rutschow und E. Gerspach, die ebenfalls mit einem Foul verhindert wurden, zogen hingegen keinen 7m bzw. nur einen Freiwurf nach sich. Das Verhältnis der Strafwürfe betrug am Ende des Spieles 8:2 aus Sicht Neuköllns. Kurios in diesem Zusammenhang war die Vergabe zweier 7m aufgrund zweier Situation auf der Rechtsaußenposition. Die Schützin wurde durch einen finalen Pass auf die Position gut freigespielt und lief zum Wurf an. Der Winkel wurde durch die Abwehrspielerin verkürzt und es gab einen leichten Körperkontakt, der Wurf wurde jedoch ohne Einschränkung zugelassen. Der Versuch von der mit der rechten Hand Werfenden verfehlte sein Ziel, jedoch ertönte jeweils ein langgezogener Pfiff mit dem unverkennbaren Handzeichen auf den 7m-Punkt. Man lehnt sich mit Sicherheit nicht zu weit aus dem Fenster mit der Behauptung, dass nicht nur die Schönebergerinnen dies als Geschenk empfanden.

Die Verunsicherung und der Ärger über das eigene Unvermögen, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen, führte kurz vor Ende zum Ausgleich und sogar zur anschließenden Führung der Neuköllnerinnen (23:22). Allerdings wurde für diesen Erfolg eine weitere Regel sehr zu Ungunsten der SG ausgelegt. A. Labenski brachte den Ball von Halbrechts aufs Tor, wurde dabei unsanft aus der Luft geholt und blieb liegen. Der Ball war weg und wurde gedankenschnell von den Gegnerinnen nach vorne getragen. Jedoch gelang Durchbruch und Torwurf nicht sofort, der Ball wurde vorher nochmal von der einen zur anderen Außenposition durchgespielt, bevor die Lücke in der Unterzahl verteidigenden Abwehr gefunden wurde. Erst nach dem Torerfolg wurde das Spiel unterbrochen und die auf dem Boden Liegende behandelt.  Die Führung konnte nochmals egalisiert werden und die SG-Damen legten sogar erneut mit einem Zähler vor, bevor es ganz kurios wurde. Weniger als zwei Minuten auf der Uhr waren zu spielen und der Ball in den eigene Reihen. Die Zeit sollte also runtergespielt werden, um mindestens einen Punkt mitnehmen zu können. C. Friedrich nahm sich ein Herz und setzte zum 1:1 an, spielte dann den Ball weiter an die frei am Kreis stehende E. Gerspach. Durch einen deutlichen Stoß fand sich diese liegender Weise im Sechsmeter-Raum wieder und konnte folgerichtig den Ball nicht unter Kontrolle halten, geschweige denn im Tor unterbringen. Besonders ärgerlich ist der Umstand, dass nahezu gleiche Situationen auf der Gegenseite zu mehreren Strafwürfen führten. Anstatt die Führung auszubauen, glich der Gegner aus.  Wieder im Angriff sollte die Führung zurückgeholt und die Punkte gesichert werden. R. Viol setzte ein 1:1 an, wurde freiwurfwürdig gestoppt, abermals blieb aber der Pfiff aus. Wieder wurde es schnell, die HSG witterte verständlicher Weise ihre Chance und brachte den Ball sicher im Tor unter. Dass dem Erfolg zuvor ein unübersehbarer Schrittfehler vorausging, wurde abermals ignoriert. Der letzte Angriff setzte dem Fehlentscheidungsfestival dann die Krone auf: D. Juda agierte mit Hilfe von R. Viol aus einer persönlichen Deckung heraus. Mit Ball und 20 Sekunden vor Abpfiff setzte sie sich von der Gegenspielerin ab, wurde aber per Pfiff ca. 12m vor dem Tor gestoppt. Was nun der Fehler war – man weiß es nicht. Ganz bitter und aus subjektiver Sicht unverdient verlieren die OSF-Damen nach 40 herausragenden Minuten mit 25:26 auswärts in Neukölln. Beim Abpfiff blieb ein ironisches Klatschen für die Unparteiischen nicht aus. Die Glückwünsche und die zwei Punkte gehen an dieser Stelle an die HSG, die ebenso großes Interesse daran hatten, ihren Kontostand zu verbessern und insbesondere in den letzten Minuten den Kampf aufopferungsvoll angenommen hatte.

Bei dieser Gelegenheit muss natürlich festgestellt werden, dass ein respektvoller Umgang mit Schiedsrichtern indiskutabel ist. Zu häufig tauchen Berichte auf, die die Versuche des massiven Einwirkens von Offiziellen, Spieler*innen, Zuschauern und Eltern beschreiben. Beleidigungen und Drohungen sind dabei an der Tagesordnung. Diese Entwicklung ist beängstigend und hat in den Sporthallen rein gar nichts zu suchen, das muss außer Frage stehen. Hinter all dem sollte jedem Kritiker und Angreifer bewusst sein, dass dieser Sport ohne Unparteiische nicht möglich ist und diese insbesondere im Handballsport durch die Schnelligkeit dieses Spiels massiv gefordert sind. Dennoch sollte trotzdem eine konstruktive Kritik an der jeweiligen Tagesleistung von Schiedsrichtern möglich sein. In diesem Falle ist zu kritisieren, dass insbesondere in der Schlussphase überhaupt keine einheitliche Linie zu erkennen war und die Bewertung jeglicher Situationen in Abhängigkeit von der Mannschaft gestellt wurde. Regeln wurden sehr frei und nicht einheitlich ausgelegt (gelbe Karte für das Begleiten beim Tempogegenstoß ohne Berührung?!). Festzuhalten ist natürlich, dass es reiner Spekulation gleicht, ob das Spiel unter anderer Leitung hätte gewonnen werden können. Jedoch bleibt das ungute Gefühl, dass eine ausgeglichene Schiedsrichterleitung dies zumindest zugelassen hätte.

Was bleibt, ist natürlich Enttäuschung und keine Punkte. Nun heißt es Mund abwischen, aufrichten und sich auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten.

Es spielten: Denise Juda, Kathrin Höhne, Juliane Eisold (je 4); Susanne Rutschow (3); Ilka Wiesner (3/2); Jasmin Vergin (2); Alina Labenski, Ricarda Viol, Anne Wiesner, Elena Gerspach, Carolin Friedrich (je1)

HSG Neukölln - SG OSF Berlin
26:25 (10:13)