Spielbericht
SG Rotation P. B.   vs.   2. Männer

11.12.2016

Spitzenspiel mit Spitzenergebnis

SG Rotation P. B.

SG Rotation P. B.

30 - 34
SG OSF Berlin

2. Männer

Liebe Gemeinde,

das Spitzenspiel der Landesliga zwischen der Zwoten und Gastgeber Rotation Prenzlauer Berg am vergangenen Samstag hielt, was es versprach. Viel Kampf, viel Spannung, viel Emotionen – und am Ende ein Sieg für die zweite Wahl Schönebergs, die durch den 34:30-Erfolg zum ersten Mal die Tabellenspitze erklimmen konnte.

Nach Abpfiff stand allen Beteiligten die Anstrengung  ins Gesicht geschrieben. Nach 60 zum Teil nervenaufreibenden Minuten wich die Anspannung jugendlicher Freude und zwei ganz wichtige Punkte konnten bejubelt werden. Nüchtern betrachtet ist durch diesen Erfolg bis auf den Führungswechsel an der Tabellenspitze nichts Weltbewegendes passiert, allein, die Art und Weise, wie sich die Schöneberger an diesem Abend zum Auswärtssieg gekämpft hatten, ließ den Brustumfang mancher Akteure vor Stolz und Genugtuung förmlich platzen.

Etwas entmythologisiert könnte der geneigte OSF-Sympathisant auch einfach von zwei immens wichtigen Punkten im Kampf um den Wiederaufstieg sprechen. Zwei Punkte, die während des Spiels mehrmals hochgradig in Gefahr schienen. Phasenweise sah es nämlich so aus, als hätten die Rotationer die bessere Tagesform erwischt. Und die – so wurde im Vorfeld nicht zu Unrecht vermutet – sollte an diesem Abend besonders wichtig sein, wussten doch beide Mannschaften vor allem in den letzten Wochen mit deutlichen Siegen zu überzeugen und ihre hohen Ambitionen unter Beweis zu stellen. Den Schönebergern war absolut bewusst, dass dieses Gastspiel ungleich schwerer werden sollte als noch die Aufgabe in der Vorwoche gegen die bis dahin drittplatzierten Pankower.

Der Kader der Guten sollte sich zu den vorangegangenen Partien nicht großartig verändern – wie auch?! Noch immer sind die Sportsfreunde Reichwald und Schmidt verletzt, wenigstens letzterer übt sich seit dieser Woche wieder zumindest im Seilspringen (Kann er! 15 Punkte im Abi oder so; Anm. d. Verf.). Des Weiteren fiel Schönebergs mobile Abrissbirne Zachus Rex spontan aus, so dass der Kader wieder leicht ausgedünnt daher kam und wenigstens durch Nachwuchsmann N. Fest aufgefüllt werden konnte. Danke dafür!

Die richtige Stimmung für diesen richtungsweisenden Auftritt hatte die OSF-Equipe erst einige Minuten nach Anpfiff gefunden. Woran auch immer es lag, der Verfasser hatte den Eindruck, dass bereits beim Warm-Up ein paar Körner zu wenig aktiviert werden konnten. Dementsprechend klingelte es kurz nach Anpfiff zweimal im Schöneberger Kasten, ehe die Akteure so langsam ihr Mojo fanden. Während der ersten 15 Min. entwickelte sich eine enge Partie, die aus Gästesicht vor allem von erfolgreichen Einzelaktionen im Angriff und weniger erfolgreichen Einzelaktionen in der Abwehr bzw. Gehäuse geprägt waren. Rotation spielte seinen Stiefel gepflegt runter und ließ eine ausgeglichene Teamleistung erkennen. Zum Glück für die Schöneberger stand der zentrale Deckungsverbund der Hausherren, wahrscheinlich auch aufgrund von Ausfällen mehrerer Stammspieler, längst nicht so defensiv und massiv wie erwartet, so dass der Angriff über die gesamte erste Hälfte auf ordentlichem Level zu performen wusste – sieht man einmal von ein paar technischen Fehlern ab, die meist aus suboptimalem Distanzverhalten gegenüber dem ballgeilen Gegner resultierten. Die weitaus größeren Stellschrauben galt es jedoch zur Pause in der Abwehr zu drehen: Zu oft kamen die Mannen aus Prenzlauer Berg zu ungestörten Wurf- oder Durchbruchsversuchen, weil es an der Abstimmung haperte. Von der in den letzten Wochen so starken Schöneberger Deckung war wenig zu sehen, hinzu kamen einige als sehr unglücklich zu bezeichnende Szenen von Torsteher Volz.

An dieser Stelle ein persönlicher Einwurf vom Verfasser: Zu oft liest man von Unkonzentriertheiten und mangelnder Bereitschaft oder dergleichen, wenn eine Mannschaft schlechte Phasen oder gar (deutliche) Niederlagen ereilen. Das muss ja nicht per se falsch sein und jeder weiß, dass wir oft unseres eigenen Glückes Schmied sind. Zu oft wird aber in diesem Zusammenhang völlig ausgeklammert, dass ja auch noch ein Gegner mitspielt. Der hat dann auch mal weniger, manchmal aber auch mehr Klasse, der man begegnen muss. Will sagen: Ein Perspektivenwechsel täte manchmal – soweit möglich – gut, um nicht manchmal den Eindruck zu erwecken, dass man eigentlich jedes Spiel gewinnen müsste, wenn man nur nicht über sich selbst stolpern würde.

Es bleibt eben bei allem fehlenden Biss und Tempo der Guten zu konstatieren, dass Rotation eben auch – frei nach Mertesacker – keine Thekentruppe ist. Sie wussten vor allem in der ersten Hälfte durchaus als Team zu überzeugen, kombinierten eine reife Spielanlage mit guten Einzelaktionen und stellten die Schöneberger so vor eine große Herausforderung. Abgesehen davon gelang ihnen so ziemlich fast alles. Nicht umsonst gingen die schwarz gewandeten Gastgeber (nach dem Spielverlauf von 2:0, 2:3, 5:5) zwischenzeitlich mit 10:7 und danach (nach 11:9, 12:11, 14:12) nochmal mit 17:12 in Führung.

Hier machte sich allerdings auch eine in letzter Zeit öfter gesehene Stärke der OSF-Recken bemerkbar: sie hörten nie auf und wurden wunderbarer Weise auch nicht hypernervös, wenngleich die Stimmung natürlich ausbaufähig war. Durch harte Arbeit vor allem in der Deckung konnte der Rückstand bis zum Halbzeitpfiff verkürzt und mit einem Kraftakt, in dem ein langer Rotation-Angriff kurz vor der Pause mehrfach erfolgreich abgewehrt werden konnte, in erträglichen Dimensionen gehalten werden.

Direkt nach Wiederanpfiff konnten die Schöneberger ausgleichen und waren wieder voll im Spiel. Munter fielen weiterhin Treffer hüben wie drüben, wobei Rotation stets vorzulegen wusste (20:19, 23:22, 25:24). Angesichts des recht hohen Endergebnisses stellt sich da doch die Frage: Waren beide Abwehrreihen einfach zu schlecht? Oder hatten beide Angriffsmaschinerien so viel Qualität? Die Wahrheit dürfte wohl wie so oft in der Mitte liegen.

Wiederum hatten die Gäste eine schwere Phase Mitte der 2. Hälfte zu überstehen. Beim 27:24 waren die Rotationer wieder auf Drei enteilt und die Crunchtime kündigte sich an. In diese Phase fiel auch ein Abwehrexperiment auf Seiten der OSF-Reihen, die auf einmal mit einer 5:1-Deckung Bälle erobern wollten, dabei aber ziemlich unsäglich auf die Schnauze fielen. Die sich bietenden Lücken nutzten die Hausherren mit großer Dankbarkeit.

Nachdem wieder auf Massivität umgestellt wurde, neigte sich die Momentum-Waage langsam aber stetig in Richtung der nun mental voll auf angemessener Betriebstemperatur glühenden OSF-Mannen. Beim 28:28 waren sie wieder auf Augenhöhe und konnten in der Folge ihrerseits jeweils vorlegen. Dieser Vorzeichenwechsel wurde begünstigt durch mehrere Faktoren: zum einen saß vorne nun wirklich fast jeder Wurf und die Schöneberger konnten z. B. über den Flying Römer, In-Verlegenheit-auf-Rechtsaußen-gebracht-und-doch-vollstreckt-Böttcher, dem verwertenden oder Siebenmeter ziehenden Giebeler am Kreis sowie ein paar verwandelte Strafwürfe zahlreiche Wirkungstreffer setzen. Außerdem vermochten die Guten im eigenen Abwehrverband nun deutlich aufopferungsvoller zu arbeiten und konnten sich in den letzten Minuten auf einen mittlerweile wieder stark aufgelegten und ganz offensichtlich die Scharte aus HZ1 vergessen machen wollenden „Socke“ Volz im Tor verlassen. Eben hier lag der Hase im Pfeffer. Kurz: Tore und Gegentore standen in einem erfreulichen Missverhältnis. Kurz vor Schluss hatte sich die OSF-Equipe auf drei Treffer absetzen können, als die Gastgeber nochmal eine Manndeckung versuchten. Diese kam jedoch deutlich zu spät und konnte mit Geduld überwunden werden – 30:34. Mit dem Schlusspfiff wurde dann noch die Gelegenheit verballert, gar einen fünften Treffer dazwischen zu legen. Das wäre zwar schön, des Guten aber auch zu viel gewesen. Folgt man dem Spielverlauf, hätte ein knappes Ergebnis mit 1-2 Toren Differenz realistischen Aussagewert. Das etwas deutlichere Resultat ist vor allem auf die letzten Minuten zurück zu führen, in denen auf Schöneberger Seite – im positiven Sinne – alle Dämme brachen.

Aus großer Macht erwächst aber auch große Verantwortung. Am Samstag tritt die OSF-Truppe von Trainergespann Meyer/Ruch zuhause gegen die Zweitvertretung des VfL Tegel an und muss beweisen, dass sie den Platz an der Sonne, auf den sie so lange hingearbeitet hat, auch verdient. Mit dem Tabellendritten steht eine knackige Aufgabe an – das hat die weniger erfolgreiche Auswärtsfahrt nach Tegel im Rahmen des HVB-Pokals vor einiger Zeit erkennen lassen. Die damals knappe Niederlage soll am Samstag vergessen gemacht werden, bevor es dann in die wohlverdiente (und absolut nötige) Weihnachtspause geht.

Seid dabei, wenn es am Samstag um 20:00 Uhr heißt: Bambule aufm Geisberg. OSF II vs. Tegel II. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn: Stimmung ist immer gut, vllt. gibt’s eine Überraschung für den Pöbel und es ist für eine Tageskomplettprogramm gesorgt. Bereits ab 14:00 Uhr sind die 4. Männer aktiv, danach die legendären Alten Herren mit einem „Derby“ gegen TMBW und schließlich, als direktes Vorspiel zu Eurer Lieblingsmannschaft, lässt sich die Dritte gegen ATV bestaunen, die ihrerseits als Tabellenführer in die Pause gehen möchte. Spaß, Spiel, Spannung. Geil. Wir sehen uns!!!

Die Redaktion

Martin Eitner

 

Aufstellung:

Felix Volz (TW), Sven Beulker (TW), Philipp Böttcher (5), Martin Eitner (10/6), Steffen Giebeler (3), Manuel Manteuffel (2), Niklas Fest, Julian Tiedtke, Sascha Höfer (5), Dustin Höfer (2), Jonas Römer (5), Benjamin Noichl (2)

SG Rotation P. B. - SG OSF Berlin II
30:34 (18:16)