Spielbericht
TuS Hellersdorf II   vs.   3. Männer

22.01.2017

Die Erde dreht sich trotzdem weiter

TuS Hellersdorf

TuS Hellersdorf II

27 - 27
SG OSF Berlin

3. Männer

Juten Tach, Ihr Hippies!

 

Es ist soweit, die dritte Mannschaft der SG OSF hat nach zwölf siegreichen Ligaspielen in Folge die erste Feder gelassen. Im Spitzenspiel zwischen Tabellenführer und direktem Verfolger erkämpfte die TuS Hellersdorf II in eigener Halle einen Punkt.

 

Vor Spielbeginn war es den Akteuren um Coach Marc Ruch durchaus bewusst, dass die Partie kein Selbstläufer wie zuletzt gegen Narva IV werde würde. Mit den Routiniers Shorty und Papa Geckle waren erfahrene Spieler dabei, welche im Hinspiel noch gefehlt hatten. Das damalige Aufeinandertreffen gewannen die Guten noch 29:22. In der Geisberg hielten die Hellersdorfer das Spiel jedoch lange offen und erst ein Leistungsschub in der Schlussphase entschied die Partie zugunsten der Guten. Einen maßgeblichen Anteil hieran hatte Goalie Swientek Sr., welcher am vergangenen Sonntag allerdings verletzungsbedingt ausfiel. Ebenso musste Felle wegen Fiebers kurzfristig passen, mit Georgy und CoGo ergänzten aber gleich zwei Linksänder den Kader. Allen Rekonvaleszenten wünschen wir eine gute und schnelle Genesung. 

 

Bereits in den ersten Minuten unterstrichen die Hellersdorf ihre Ambitionen. Motiviert und mit hohem Tempo überrannte der Gastgeber die Ruchlosen in der Anfangsphase und führte schnell mit 1:3. Nach diesem kleinen Muntermacher mussten sich die Schöneberger zunächst kurz schütteln, um ebenfalls ins Spiel zu kommen. In der Folge konnten die schnellen Vorstöße des Gegners unterbunden werden und aus einer gut stehenden Abwehr heraus wurde das eigene Angriffsspiel mit Shorty auf der Mitte aufgezogen. Über die bekannten Auftakthandlungen wurden nun zügig Tore erzielt und nach zehn gespielten Minuten führten die Guten mit 6:3.

 

Hellersdorf reagierte und stellte nach Team-Time-Out die Abwehrformation um. So wurde J.B. mittels Manndeckung komplett aus dem Spiel genommen und fortan agierten am 6-Meterraum nur noch fünf Spieler beider Mannschaft. Nun könnte man meinen, dass sich durch diese Umstellung riesen Lücken auftun müssten. Tatsächlich wurde mit dieser Maßnahme den Schönebergern aber der Zahn gezogen. Im gesamten weiteren Spielverlauf wurden kaum Konzepte durchgespielt, Torabschlüsse erfolgten nur noch aus Kleingruppenspielen heraus oder nach Einzelaktionen. Die TuS profitierte ihrerseits von einigen Unkonzentriertheiten der Schöneberger Abwehr sowie unangenehm zahlreichen technischen Fehlern und kämpfte sich zurück ins Spiel. Nach einem zwischenzeitlichen 8:6 übernahm der Gastgeber bei 10:11 neuerlich die Führung. Der erste Durchgang endete ausgeglichen mit 13:13.

 

Coach Marc Ruch war mit der gezeigten Defensivleistung durchaus zufrieden, hatte er im Saisonverlauf doch schon Schlimmeres ertragen müssen. Gegentreffer aus dem Rückraum hatten Seltenheitscharakter, jedoch galt es, die Abschlüsse der Außenspieler zu minimieren und den Kreis besser unter Kontrolle zu bekommen. Das Angriffsspiel bescherte dem Trainer hingegen einige Sorgenfalten. So gab es durch technische Unzulänglichkeiten zu viele Ballverluste. Des Weiteren agierten seine Akteure trotz großer Lücken zu ideenlos, um zwingende Torchance herausspielen zu können.

 

Die zweite Hälfte begann ähnlich wie der erste Abschnitt. Die Gäste verschliefen die ersten Minuten und Hellersdorf konnte mit einem 14:16 zunächst die Führung übernehmen. Mit fast stoischer Ruhe hielten die Ruchlosen an ihrem Vorhaben fest und erzielten nun ihrerseits erste Erfolge. Shorty konnte Winand mehrmals am Kreis in Szene setzen, der den Ball unnachahmlich behauptete und wenn er diesen anschließend nicht gerade in des Gegners Tor versenkte, pfiff das aufmerksame Schiedsrichterinnengespann zum Strafwurf samt Zeitstrafe. Nach mehrmaligem Überzahlspiel übernahmen die Schöneberger mit 17:16 und 20:18 wieder die Führung, schafften es allerdings nicht, sich vollends abzusetzen.

 

Nach wie vor agierten die Hellersdorfer mit einer Manndeckung und im Zuge des weiteren Spiels brachten sie auch Winand besser unter Kontrolle. Die Ruchlosen wirkten in ihren Angriffen zunehmend nervöser. Unter dem Motto „Angst essen Seele auf“ wurde der Ball gemächlich in der eigenen Reihe vorgetragen und nur wenig Torgefahr entwickelt. Einzelaktionen durch J.B., Georgy oder Ilse bedeuteten gelegentliche Torerfolge, die hauchdünne Führung wurde so aber nur verwaltet. Im Hellersdorfer Angriff war der rechte Rückraum nun die stärkere Angriffsseite. Häufiger suchte der Gastgeber nun die Abschlüsse aus dem Rückraum, war aber nach wie vor von den Außenpositionen erfolgreich. Ärgerlich aus Schöneberger Sicht waren vereinzelte Abpraller, die nicht unter Kontrolle gebracht werden konnten und oftmals beim Gegenspieler landeten.

 

Nach dem die Schöneberger gut zehn Minuten vor Ende der Partie bereits mit 24:21 geführt hatten, kämpfte sich die TuS zum 25:25 erneut zurück ins Spiel. Kurz vor Ende sah zunächst alles danach aus, als hätten die Gäste die etwas besseren Nerven und/oder einfach mehr Glück. Ein Doppelpack, geschnürt von Swientek Jr. und Mr. Bender, brachte 52 Sekunden vor Schluss eine Zwei-Tore-Führung (27:25). Hellersdorf legte die grüne Karte und brachte im Wechsel mit dem Torhüter den siebten Feldspieler. Das taktische Mittel verfehlte seine Wirkung leider nicht.

 

Der Antagonist spielte den Ball im Rückraum einmal umher und bediente von der halblinken Angriffsposition einen der beiden Kreisspieler, welcher den Ball im Tor unterzubrachte. Der Vorsprung also auf +1 geschmolzen und noch ca. 30 Sekunden auf der Uhr. Die TuS agierte verständlicherweise mit einer offensiven Manndeckung und abermals war es die linke Seite der Schöneberger, die nach wenigen Pässen ihren Außenspieler Mr. Bender in aussichtsreiche Position spielte. Dessen Wurf blieb jedoch zwischen den Beinen des Goalies kleben. Schnell leitete Hellersdorf wiederum den Gegenangriff ein. Ebenfalls über ihre linke Außenposition erzwangen sie den Abschluss aus wesentlich spitzerem Winkel. Der angesetzte Dreher überwand Lehrkörper Cremer und prallte nach Erinnerung des Verfassers vom Innenpfosten ins Tor – Ausgleich!

 

Der schnelle Anwurf bei zehn Sekunden Restspielzeit wurde von einem Gegenspieler unterbunden, welcher nach Regelwerk entsprechend mit einer Disqualifikation bestraft wurde. Zwar schafften die Schöneberger es abermals vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen. Der Rückraumwurf von Shorty konnte jedoch vom Torwart an den Pfosten gelenkt werden. Danach war Schluss – 27:27!

 

Nach Abpfiff ließen die Ruchlosen arg die Köpfe hängen und obwohl sie einen Punkt aus der Begegnung mitnahmen und sich der Abstand zum direkten Verfolger demensprechend nicht verringert hatte, fühlte sich das Unentschieden wie eine Niederlage an. Das große Ziel, eine Saison ohne Punktverlust, ist seit dem 13. Spieltag nun also passé. Gerade einmal 40 Sekunden hatten ausgereicht, um sich die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Mit ein wenig mehr Spielintelligenz, Geschick und etwas Glück wären die Ruchlosen ggf. mit zwei Punkten aus Hönow zurückgekommen. Allerdings wäre ein Sieg höchst schmeichelhaft bis unverdient gewesen. Zwar stimmten bei den meisten Akteuren Einstellung und Wille, jedoch wurde phasenweise zu zaghaft agiert. Der stetig enge Spielstand sorgte für eine gewisse Nervosität im Spiel der Guten. Dies spiegelte sich in schüchtern und verlegen wirkenden Angriffsbemühungen vor allem in der zweiten Halbzeit wider. Schade, die Ruchlosen hatten es in der Hand.

 

Sei’s drum. Die Erde dreht sich dennoch weiter. Handball ist zum Glück nur die schönste Nebensache der Welt und es gibt wahrlich wichtigere Dinge. Wer weiß das schon besser als Ihr, Ihr verdammten Hippies?! Jetzt ist erst mal wieder voll lange Pause. Das nächste Ligaspiel findet am 19. Februar gegen den SC Charlottenburg (seines Zeichens auf Ligaplatz 3 auch nicht ungefährlich) auf dem Geisberg statt. Keine Sorge, wir schicken einen Reminder.

 

Bussi! Tschüss, Ihr Hippies!

 

 

Statistik:

Christian Cremer, Jörg Brieger (6), Matthias Kölling (4), Stefan Meyer (3), Luka Bender (3), Marco Krause (2), Winand Sabelberg (2), Fabian Stachowiak (2), Nico Swientek (2), Benjamin Geckle (2), Gregor Herdmann (1), Justus Hohwieler, Constantin Goltsche, Tilman Wiesner

 

 

TuS Hellersdorf II - SG OSF Berlin III
27:27 (13:13)