Spielbericht
3. Männer   vs.   BFC Preussen II

12.11.2017

Über den Verlust einer großen Liebe

SG OSF Berlin

3. Männer

26 - 21
BFC Preussen

BFC Preussen II

An Euch Hippies da draußen!

Wenn es an treffenden Worten fehlt, dann bedienen sich große Literat_innen (und jene, die es mal werden wollen) bei anderen großen Literat_innen. Und zu jener finsteren Stunde beschreiben die folgenden Worte von W.H. Auden wohl am allerbesten die Gefühlswelt etlicher Schöneberger Handballer_innen: Nie wieder wird es sein, so wie es war. Nie wieder gut.

Der Grund für die tiefe depressive Stimmung innerhalb der SG OSF ist aber noch gar nicht abschließend geklärt und so stehen nur sehr vage Vermutungen im Raum. Vielleicht liegt es an der Bereitstellung etlicher Millionen Euritos seitens des Berliner Senats zur Instandsetzung und notwendig gewordenen Renovierung ihrer Bildungseinrichtungen. Vielleicht musste die Finow-Grundschule bis Jahresende noch ihre Haushaltskasse entleeren. Vielleicht setzten sich die Fachkräfte für Sport und Bewegung bei der letzten Schulkonferenz mit einem perfiden Antrag durch. Vielleicht hat sich die beauftragte Bau- bzw. Reinigungsfirma für Oberflächen in ihren Ausführungen einfach bei den einzusetzenden Mitteln und/oder der Rezeptur vertan. Irren ist ja bekanntlich menschlich. Oder steckt hinter der ganzen Tragödie gar die Verschwörung einer Gemeinschaft neureicher Häuslebauer, welche nach Fertigstellung ihrer schicken Eigentumswohnungen im alten Postgebäude nebenan bloß keine Bekanntschaft mit dem handballspielenden Proletariat machen wollen?!?

Nun denn. Der Sporthalle in der Geisbergstraße kann man sehr vieles andichten, einen Schönheitswettbewerb als schickste Halle wird sie aber wohl nie gewinnen können. Doch vielleicht liegt gerade in der schnöden Schlichtheit, welche sich mit einem unnachahmlichen Look des Maroden geschickt zu paaren weiß, der ganz besondere und eigenwillige Charme, der eine ganze Spielgemeinschaft zu prägen weiß. Die eigens für Hartgesottene hergerichteten Sanitäranlagen, die stetig verrutschten oder gar fehlenden Rigipsplatten in den Kabinen, die arg eingestaubte Tribüne oder auch die kalten Temperaturen im tiefsten Winter: das alles konnte ohne Probleme ignoriert werden, da ein wunderbarer Hallenboden zur Verfügung stand. Was für unvergessliche, epische Begegnungen wurden auf diesem Grund ausgetragen? Was haben wir nicht alles miterleben dürfen? Und jetzt?

Jetzt wurde am Wochenende um den 4. und 5. November der fabelhafte Boden dieser denkwürdigen Spielstätte ruiniert! Das Gegenteil von Gut ist dabei noch nett gemeint. Denn die Versiegelung, die auf das Spielfeld aufgetragen wurde, lässt sich auch als versuchte Körperverletzung bezeichnen. Markige Richtungswechsel, schnelle Antritte und kurze Sprints, die so ein Handballspiel, aber natürlich auch andere körperliche Ertüchtigungen (Stichwort: Schulunterricht) erst ermöglichen; bei diesem rutschigen Untergrund einfach nicht mehr möglich.

Nachdem sich die Verfasser Eurer Lieblingslektüre bislang gerne mal latent über andere Berliner Hallen und deren Bodenbeschaffung amüsiert bzw. diese kritisch beäugt haben, so lautet nun die schwer zu ertragende Erkenntnis, dass die Louis-Zobel-Sporthalle (der eigentliche Name vom Geisberg) nun eben auch zu solch einer Halle mutiert ist, eine von vielen. Oje!

Handball wurde auch noch gespielt – oder zumindest bestanden Versuche! Die Gäste des BFC Preußen mühten sich in 60 Minuten zu ganzen 21 Treffern. Mehr war für die Lankwitzer unter widrigsten Bedingungen auf einem unglaublich rutschigen Untergrund nicht zu holen. Durch den Trainingsvorteil behauptete die Dritte der SG OSF das Schlittschuhlaufen für sich und erzielte ganze 26 Tore. Somit sind die Schöneberger nach der vergangenen Niederlage gegen Pankow wieder zurück in der Erfolgsspur und kletterten auf den zweiten Tabellenplatz. Unter den derzeitigen Umständen ist das aber nur noch eine Randnotiz. Die Ruchlosen trauern um ihre Halle und hoffen auf ein Wunder! Wie die großen Literat_innen aber schon schrieben: Die Dinge werden nie besser, sondern immer nur schlechter. Im besten Fall bleibt es eine Zeit lang so, wie es ist.

 

Statistik:

Markus Swientek, Christian Cremer, Nico Swientek (6 Tore), Felix Kloss (4 Tore), Jörg Reichwald (4 Tore), Marco Krause (3 Tore), Jörg Brieger (2 Tore), Fabian Stachwoiak (2 Tore), Luka Bender (1 Tor), Constantin Goltsche (1 Tor), Benjamin Geckle (1 Tor), Matthias Kölling (1 Tor), Justus Hohwieler (1 Tor), Tilman Wiesner

SG OSF Berlin III - BFC Preussen II
26:21 (10:10)