Spielbericht
SG Ajax/Altglienicke   vs.   3. Männer

16.12.2017

A Tribute to a „unüberwindbare Riese“[1]    

SG Ajax/Altglienicke

SG Ajax/Altglienicke

15 - 19
SG OSF Berlin

3. Männer

 

Merry Christmas, ihr Hippies! 

Der Frust saß tief beim Compagnon im blauen Jersey kurz nach Abpfiff des Landesliga-Spitzenspiels am vergangenen Wochenende. Konnte der Akteur zwar äußerlich Haltung bewahren und dem obligatorischen Abklatschen als Zeichen der sportlichen Fairness beiwohnen, so entglitt ihm dann doch aus der Emotion der gerade erfahrenen Niederlage ein Kommentar bezüglich der etwas betagteren Spielweise der dritten Mannschaft der SG OSF. Dabei vertat sich besagter Spieler weder im Ton, noch ließ sein sprachlicher Inhalt zu wünschen übrig. Viel eher fasste er wohl relativ prägnant und nüchtern seine bisherige handballerische Karriere zusammen als er feststellte, dass er schon lange nicht mehr gegen solch eine Art des Altherren-Handballs gespielt, geschweige denn verloren habe. 

Nun, bekanntlich gibt es für alles ein erstes Mal und das mit den alten Herren ist gar nicht so weit hergeholt. Immerhin kam die dritte Mannschaft mit ihren 13 angetreten Spielern auf ein stolzes Durchschnittsalter von gerundeten 33,92 Jahre – man wird halt nicht jünger, wie?! Die Alterspanne zwischen dem jüngsten Spieler Ilse und dem Ältesten Swientek Sr. umfasst dabei knappe 26 Jahre und jede Menge (Handball-)Erfahrung. 

Letzteres kann zu solch prickelndem Ereignis wie das Aufeinandertreffen der beiden bestplatzierte Mannschaften der Liga gar Ausschlaggebend sein. Denn der Gastgeber SG Ajax/Altglienicke aus Köpenick hatte zu jenem Duell stimmungstechnisch mobilisiert und konnte auf eine gut gefüllte Tribüne verweisen. Inwiefern das Publikum mehrheitlich aus reinem Interesse am Handballsport den Weg in die Halle fanden und wie viele von ihnen Elternteile der ebenfalls anwesenden und wirklich sehr lauthals unterstützenden Cheerleaders (!) waren, konnte abschließend nicht geklärt werden. Fakt ist, dass die Dritte nur sehr selten vor solch einer großen Anzahl von Zuschauer_innen gespielt hat, was dem einen oder anderen Akteur ggf. einen gewissen Extra-Ansporn verlieh. Im Publikum weilend befand sich auch J.B., welcher auf Grund seines dicken Knöchels am Spiel nicht aktiv teilnehmen konnte. Des Weiteren fiel Goalie Lehrkörper Cremer kurzfristig aus und angesprochener Swientek Sr. musst zusehen, wie er über 60 Minuten allein klar kommen würde. Der Verfasser himself besäuselte noch kurz vor Anpfiff seinen Torwart mit den Worten: „Heute brauchen wir eine Torwartleistung“, worauf ihm nur ein lapidarisches „Ja, ja“ entgegnet wurde.

Dass Swientek Sr. als ältester Spieler auf der Platte aber (immer noch) einer der ganz Großen ist, zeigte der Gäste-Keeper von Beginn an - damit endlich zum eigentlichen Bericht. Die Schöneberger starteten mit einem 6-0 Abwehrverbund, bei welchem sich der Mittelblock aus Papa Geckle und Shorty zusammensetzte. Es sollte sich jedoch von Anfang an zeigen, dass die Gäste in der gesamten ersten Halbzeit keinen wirklichen Zugriff auf ihre Gegenspieler bekamen. Bereits der erste Spielzug von Ajax riss eine ungewohnt große Lücke in die Abwehrreihe, wonach sich die übertölpelten Ruchlosen etwas ungläubig in die Augen blickten. In den folgenden knapp 30 Minuten kamen die teils recht dynamisch agierenden Rückraumspieler der Köpenicker zu besten Abschlussmöglichkeiten aus nächster Distanz. Während das Zusammenspiel mit dem Kreis noch halbwegs unterbunden wurde, glich die Laufbereitschaft in der Defensive eher so dem Motto ‚Mach du mal, ich hatte gerade schon‘. Mangels des schlechten Verschiebens taten sich immer wieder Lücken für den Gegner auf, die er sowohl über durchstoßende Rückraumspieler als auch über die Außen zu nutzen wusste. 

Einzig allein scheiterte Ajax mehrfach am gut aufgelegten Torwart Swientek Sr., der seine beste Aktion im ersten Durchgang nach einem parierten Abpraller hatte. Der Ball flog aus dem Strafraum zentral wieder zurück in die Hände des Schützen. Dieser, mit Zeit und ohne große Gegenwehr, warf die Pille neuerlich aufs Gehäuse der Schöneberger. Doch Swientek Sr. rappelte sich blitzschnell (!) wieder auf, schnellte seine rechte Pranke in die Luft und lenkte den Ball ins Torhaus. Sowas kennt der Verfasser eigentlich nur aus dem Fernsehen aus etlichen Tribute-Filmen von Köpke, Kahn & Co! In jedem Fall sah es lecker aus und machte Lust auf mehr! 

Bei so viel (nicht) funktionierender Defensive brachte der Angriff das kleine Kunststück fertig, sich krampfhaft im zu Spiel halten. Immer wieder wurden Auftakthandlungen über den Kreisspieler gespielt und wenn es danach mal schnell wurde, kamen die Schöneberger auch zu Abschlüssen. In der Anfangsphase konnten zunächst die Außenspieler One-Hand und J.R. in Position gebracht werden, im weiteren Spielverlauf gesellte sich auch der feiermüde Swientek Jr. dazu, der sowohl aus dem Spiel als auch vom Punkt zu treffen wusste. Insgesamt verzettelten sich die Schöneberger jedoch in zu vielen Einzelaktionen und konnte die Breite der Halle nicht wirklich clever ausspielen. 

Nach gut 20 gespielten Minuten und einer knappen 6:7 Führung für die Guten ließ sich Papa Geckle zu einer Undiszipliniertheit hinreißen und erhielt auf Grund von Meckerns eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe. Zu jenem Zeitpunkt wusste das Schiedsrichtergespann sich immer mehr in den Mittelpunkt zu pfeifen. Von beiden Parteien wurden einige getroffene Entscheidungen nun lauthals und wohl nicht zu Unrecht hinterfragt, was die beiden Referees aber nicht aus der Fassung brachte. Auf Nachfragen einiger Akteure über bestimmte Auslegungen des Spielgeschehens blieben die Unparteiischen stets der Antwort schuldig und so langsam ging beiden Teams das Licht auf, dass man es nicht mit kommunikativsten Schiedsrichtern zu tun hat. Dementsprechend also Sabbel halten und den Fokus auf seine eigene Leistung legen. 

In der Schlussphase der ersten Hälfte überstanden die Ruchlosen ein zweimaliges Unterzahlspiel weitestgehend unbeschadet. Zwar erzielten die Gäste in den letzten 8 Minuten keinen weiteren Treffer mehr, musste auf Gegenseite jedoch auch nur zwei Tore hinnehmen. Während der Angriff zu ideenlos wirkte, konnte Swientek Sr. mit weiteren tollen Paraden schlimmeres verhindern. Die Führung wurde zur Halbzeit an Ajax abgegeben, glücklicherweise betrug der Abstand beim 8:7 jedoch nur ein einziges Tor. 

Die konstruktive Analyse von Coach Marc Ruch fokussierte sich vor allem auf das Wesentliche. Dass man bei einem solchen Zwischenstand bisher kein wirklich gutes Handballspiel gesehen hatte, war allen Beteiligten klar. Erste Baustelle war der Angriff, in dem man vor allem den Platz, welcher sich durchaus bei schnellem Spiel bot, nicht konsequent genug ausnutzte. Durch ein temporeicheres Aufbauspiel sollte hier Abhilfe geschaffen werden. Die Abwehrreihe, welche gegen Ende des ersten Durchganges in der bewährten 3-2-1 Deckung agierte, wurde umgehend wieder auf einen 6-0 Verbund zurückgestellt und personell etwas verändert aufgestellt. Wesentlich länger als die Ansprache des Schöneberger Übungsleiter dauerte der gut hörbare Einlauf von der Ober-Cheerleaderin, die mit der Performance einer ihrer Schützlinge recht unzufrieden schien. Zweifelsohne: Das war Pädagogik at it‘s best. So gut, dass das betreffende Mädchen die gesamte zweite Hälfte weinend am Spielfeldrand stand … aber vielleicht kamen ihr ja nur die Tränen, da sie nicht wusste wie sie sonst ihre Emotionen über die gezeigte Leistung von Goalie Swientek Sr. zum Ausdruck bringen sollte. 

Was für eine Überleitung und damit hinein in die zweite Halbzeit. Die startete zunächst etwas suboptimal, denn die Köpenicker erwischt den etwas besseren Start und erspielten sich ein kleines Polster in Höhe von 2-3 Toren. Nach knapp 40 gespielten Minuten musste Ajax erstmals zweiminütig mit dezimierter Anzahl weiterspielen. Über den wieder genesenen Two-Times von Außen, den Wizzard am Kreis und den immer sicherer werdenden Ilse schafften die Guten beim 12:12 erstmals wieder den Ausgleich. Während des Überzahlspiels bekam nun die Abwehr besseren Zugriff auf ihre Gegenspieler. Nun war es vor allem die Heimmannschaft, die eher etwas planlos und mit wenig Kreativität ihre Angriffsbemühungen ausspielte. Das Durchstoßen bis an den Strafraum aus der ersten Halbzeit wurde besser unterbunden und Abschlüsse erfolgten nun zumeist über die Außenspieler oder durch unvorbereitete Würfe aus dem Rückraum. 

Während Ajax sich im eigenen Angriff immer mehr aufrieb, ließen sich die Schöneberger Zeit in der Offensive und bekamen spürbar mehr Sicherheit ins eigene Spiel. Über die Linkshänder Felle und One-Hand wurde nach 45 Minuten die Führung wieder zurückgewonnen und durch lange Angriffe Zeit von der Uhr genommen. So genannter Neck-Breaker zu Beginn der Schlussphase war dann der gehaltene 7-Meter von Swientek Sr. beim zwischenzeitlichen 14:16 für die Guten. Mit dem Mut der Verzweiflung löste Ajax ihre Defensive auf und spielte fortan in einer mannbezogenen Deckung weiter. Durch das daraus resultierende Chaos ließen sich die Gäste um den mittlerweile eingewechselten Jussi aber nicht aus der Ruhe bringen. Durch geduldiges Warten auf den freien Mitspieler und mit Überblick erzielten die Ruchlosen weitere Treffer und das Spiel endete mit dem torarmen Ergebnis 19:15. 

Gleich nach Abpfiff ließ sich also besagter Spieler zu jenem Kommentar hinreißen und sicherlich hat er dabei nicht ganz unrecht. Schön war die gezeigte Performance der Dritten sicher nicht und in gewisser Weise zeigte sich neben einem natürlichen Verschleiß auch der seit Wochen andauernde Trainingsverschleiß. Doch zum einen muss festgehalten werden, dass man halt Cleverness in Form von Spielerfahrung und eine gewisse Abgebrühtheit hat – oder auch nicht! Und des Weiteren: Wenn durchaus gute und achtbar viele Torchance herausspielt werden, um dann am Torhüter zu scheitern, dann muss konstatiert werden we got the best keeper in the world

Tatsächlich ist Handball ja aber immer noch ein Mannschaftssport und beim Auswärtssieg der Schöneberger kann man nicht ausschließlich von Glück in Form einer sehr guten Torhüterleistung sprechen. Vor allem in der letzten Viertelstunde agierten die Gäste mit einem kühleren Kopf und schafften es, ihre Abwehr so weit zu stabilisieren, dass es Ajax kaum vermochte, zu gefährlichen Abschlüssen zu kommen. Das gab Sicherheit für das eigene Angriffsspiel, welches zwar nicht immer sehr dynamisch wirkte, aber nach einer schwächeren ersten Hälfte sich zu steigern wusste. Der Sieg ist damit nicht unverdient und so kurz vor den Festtagen dürfen sich nun die Ruchlosen als Klassenprimus den Braten schmecken lassen. Zwischen den Jahren wird dann genug Zeit sein, um ein Tribute-Video von Swientek Sr. zu erstellen, welches sich dann einreiht in die Liste von Größen wie Schmeichel, Schuhmacher & Co. 

So, fröhliche Weihnachten und der ganze Quatsch, wir sehen uns in 2018 – als Tabellenführer! 

Tschüss, ihr Hippies! 

Statistik:

Markus Swientek (gets as much love as he needs and anything else), Nico Swientek (5 Tore, davon 1x7m), Felix Menge (4 Tore), Fabian Stachowiak (3 Tore), Matthias Kölling (3 Tore, davon 1x7m), Felix Kloss (2 Tore), Jörg Reichwald (1 Tor), Winand Sabelberg (1 Tor), Gregor Herdmann, Benjamin Geckle, Marco Krause, Justus Hohwieler, Tilman Wiesner

 

[1] siehe Bericht Ajax

SG Ajax/Altglienicke - SG OSF Berlin III
15:19 (8:7)