Spielbericht
1. Männer   vs.   Lausitzer HC Cottbus

12.09.2015

Gelungene Saisonpremiere

SG OSF Berlin

1. Männer

27 - 25
Lausitzer HC Cottbus

Lausitzer HC Cottbus

Am ersten Spieltag der Ostsee-Spree-Liga Saison 2015/2016 konnte sich die SG OSF zu Hause gegen eine der stärksten Mannschaften der Liga überraschend mit 27:25 durchsetzen. In einem immer engen Spiel bewies der Gastgeber am Ende Nervenstärke und ging trotz zahlreicher Ausfälle verdient als Sieger vom Feld.

Die Berliner, die ihre Saison dank der Amateurpokalqualifikation des letzten Wochenendes eine Woche später als ihre Konkurrenten begannen, traten ohne nominellen Mittelmann an, zusätzlich fielen Dorian Schnabel (krank) und Marcel Buchholz (Urlaub) aus. Da Tobias Erdmann zwei Wochen nicht trainieren konnte, stand von der letztjährigen Startsieben nicht mehr viel Personal zur Verfügung. Der LHC musste dagegen auf Marcus Meier und Glenn Nietzel verzichten. Motivation brauchte auf Seiten der SG ohnehin niemand mehr, nachdem vor dem Spiel das Interview der MOZ zum Spiel mit dem Trainer des LHC studiert wurde.

In den ersten Minuten schien es, als nähme das Spiel dennoch den befürchteten Verlauf. Die Schöneberger mit Quouc Cuong Le als Interims-Mittelmann, der ein mehr als anständiges Spiel ablieferte, begannen verhalten und spielten ihre Angriffe länger aus als gewohnt. Dennoch – oder gerade deswegen – wurde die entscheidende Lücke oft gefunden, Florian Berndt dann jedoch nur selten aus freier Position bezwungen.
Auf der Gegenseite zeigten sich die Lausitzer treffsicherer. Vor allem mit dem in die Mitte ziehenden Alex Takev hatte der neu zusammengewürfelte Innenblock in den Anfangsminuten seine liebe Müh und Not.
Die SG stellte sich jedoch schneller als noch in so manchem Spiel der Vorsaison auf die Offensivbemühungen des Gegners ein und behielt vorne trotz zweier verworfener 7-Meter in der Anfangsphase die Ruhe. Die Trefferquote stieg, während die Defensive sich inklusive Julien Groenedijk steigerte. So erspielten sich die Berliner zwischenzeitlich sogar ein 3-Tore-Polster (13:10), das sich aber bis zur Halbzeit bedingt durch mehrere Unterzahlsituationen auf ein Tor reduzierte (Halbzeitstand 14:13).

Immerhin hatten die Schöneberger es geschafft, das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten 30 Minuten eng zu gestalten. Die Mannschaft hatte jedoch Blut geleckt und den Glauben an sich gefunden. So wollte man auch nach der Halbzeitpause alles dafür in die Waagschale werfen, vielleicht doch einen oder sogar zwei Punkte mitzunehmen.

In der zweiten Halbzeit zeigte sich vom Spiel her allerdings ein umgekehrter Spielverlauf. Die Schöneberger schafften es mehrfach, durch konzentriertes und kontrolliertes Spiel im Angriff auf mehrere Tore davonzuziehen, während die Defensive sich weiter konsequent steigerte.
Dem LHC wurden Tore quasi fast ausschließlich über die Rechtsaußenposition bzw. im Gegenstoß erlaubt. Dagegen krankte das Umschaltspiel der Schöneberger an technischen Fehlern. Mehrfach wurden ungezwungen Bälle zum Gegner transportiert, was wiederum die Lausitzer zum mehrfachen Ausgleich nutzen konnten. Hier hätte das Spiel auch kippen können, jedoch konnte sich der inzwischen eingewechselte Marvin Rothe mehrfach auszeichnen und einige „Freie“ entschärfen.
In der Schlussviertelstunde zahlte sich dann aus, dass Coach Schwabe zwischenzeitlich sowohl Philipp Wieschollek als auch Philipp Böttcher eine Pause gegönnt hatte, die in den letzten, sehr zweikampflastigen Minuten wieder halbwegs erholt auflaufen konnten. Dadurch besaß die SG am Ende schlichtweg die besseren Reserven und konnte nach drei Toren in Folge vom 24:24 (2x Böttcher, 1x Wieschollek) zum 27:24 in der 59ten Minute des Sieges sicher sein. Cottbus schaffte es noch einmal zu verkürzen, mehr war für die Gäste an diesem Wochenende nicht mehr drin.

Nach der mehr als durchwachsenen Vorbereitung konnte die SG somit schnell den Beweis erbringen, dass auch mit Mini-Kader zumindest zu Hause mit ihr zu rechnen ist. In Anbetracht der nächsten Wochen (Rudow und Neubrandenburg, beide auswärts) gibt die gelungene Heimpremiere dem Team hoffentlich das nötige Selbstvertrauen, um auch dort bestehen zu können, wenngleich sich die Kräfteverhältnisse zuungunsten der SG verschoben haben. Fakt ist, dass die Leistung gegen den LHC nur in Anbetracht der Tatsache möglich war, dass alle Spieler ihr Potenzial zu 100% abgerufen haben.

Dies wird es nun gelten, im Laufe der Saison noch einige Male zu bestätigen, um möglichst schnell in sicheren Tabellenregionen anzukommen.

Anpfiff kommenden Samstag in der Neuhofer Straße in Rudow ist um 17h. Die Mannschaft ist auf zahlreiche Unterstützung angewiesen, um gegen den deutlich verstärkten TSV bestehen zu können.

Noch eine Randnotiz: Wie bereits anfangs erwähnt, ließen es sich die Cottbuser Verantwortlichen im Gegensatz zu den durchweg fair und ohne einen Kommentar gratulierenden Spielern nicht nehmen, einmal mehr – diesmal bereits vor Anpfiff des Spiels – den Grund für ein eventuell schlechtes Auftreten weniger bei sich selbst und mangelnder Einstellung als bei den „sinnlosen Bedingungen“ der Schöneberger Sporthalle zu suchen. 

Bekanntermaßen kann weder die Mannschaft der SG OSF noch der Verein an sich etwas für die rigerose Politik des Schöneberger Bezirksamtes, welche auf Vereinsseite seit Jahren für erheblichen Unmut sorgt, was aber im Falle der Nichtbeachtung den sofortigen Hallenentzug bedeutet.

Eigentlich gehen mittlerweile alle Mannschaften so professionell, wie es eben geht, mit dem Thema um (so meckert z.B. auch Bad Doberan regelmäßig, bringt aber stets konzentrierte und motivierte Leistungen), weswegen es fragwürdig ist, den Staub regelmäßig wieder aufzuwirbeln. Im Endeffekt gelten auch in der Schöneberger Halle für beide Mannschaften dieselben Bedingungen und wie im letzten Jahr zur Genüge gezeigt, vermögen es die Berliner auch durchaus auswärts unter „sinnvollen Bedingungen“ Punkte mitzunehmen.

Damit kann dieses Kapitel vielleicht auch langsam einmal (endgültig) beendet werden.

Julien Groenendijk (TW), Marvin Rothe (TW), Philipp Böttcher (9), Philipp Wieschollek (7), Maik Clausen (3), Quoc Cuong Le (3), Tobias Erdmann (3), Robert Kohrs (2), Dorian Schnabel, Justus Neeb, Manuel Frank, Marius Dierberg

SG OSF Berlin - Lausitzer HC Cottbus
27:25 (14:13)