Spielbericht
SG NARVA Berlin II   vs.   2. Männer

11.09.2016

Chillt mal! Aber nicht zu sehr.

SG NARVA Berlin

SG NARVA Berlin II

18 - 26
SG OSF Berlin

2. Männer

Liebe Gemeinde,

 

der Saisonauftakt der 2. Männer der SG OSF kann als geglückt bezeichnet werden. In einem spannungsarmen Auftakt am vergangenen Sonntag bei der SG Narva II setzte sich die zweite Wahl Schönebergs ohne zu glänzen mit 18:26 durch und verbuchte die ersten Zähler innerhalb der Mission Wiederaufstieg.

Bei der traditionsreichen Friedrichshainer Sportgemeinschaft Narva hat sich in der Sommerpause einiges getan. Der große Pool an verfügbaren Amateursportlern erfahrener und ehrgeiziger Couleur wurde ordentlich durchgewürfelt und neu verteilt, auf dass die erfolgreiche Jugendarbeit der letzten Jahre nun auch im Männerbereich dauerhaft und vor allem erfolgreich verankert werden möge.

Die Frage, was denn und an besagtem Sonntag auf die Schöneberger zukommen möge, war beim Warmmachen schnell beantwortet – und zwar leider wenig eindeutig: viele neue, vor allem junge Gesichter tummelten sich auf Seiten der Narvaristi. Klar: Schnelligkeit beginnt immer noch im Kopf (der Vorrat an diesen Programm-Shirts muss ja unerschöpflich sein!), aber angesichts des jungen Durchschnittsalters der Gastgeber stand zu befürchten, dass die Schnelligkeit dann auch in den Beinen fortgeführt werden könnte. Sowas kann unangenehm werden im ersten Saisonspiel. Summa summarum: Wundertüte. Steckste nich drin.

Der Aufgalopp nach Anpfiff zur Landesliga-Spielzeit 2016/17 verlief schleppend. Das Spiel beider Seiten in der Anfangsphase darf wohl berechtigter Weise als vorsichtiges Beschnuppern gewertet werden. Weder den favorisierten Gästen aus Schöneberg – mit diesem Status wird man als im Kern zusammengebliebener Verbandsligaabsteiger leben müssen – noch die Gastgeber zeigten allzu großen Hang dazu dort hin gehen zu wollen, wo sich’s lohnt bzw. wehtut. Technische Fehler hielten sich, im Gegensatz zum späteren Verlauf, zwar in Grenzen, allein die Aktionen und Abschlüsse waren nicht zwingend genug. Bis zum 3:3 nach ca. 10 Min. war nicht viel passiert. Drei Tore in Folge für die orange gewandeten Gäste sorgten für eine leichte Absetzbewegung, die wiederum nicht lange Bestand hatte.

Die eigentlich als safe eingestufte 6:0-Abwehrformation der Schöneberger ließ ein wenig Biss vermissen, also wurde von der Bankseite sanft auf eine 5:1 umgestellt. Die defensive Variante offenbarte zwar keine eklatanten Schwächen, aber dies muss auch der mangelnden Gefahr des Narva-Spiels zugeschrieben werden. Es sollten mehr Ballgewinne her. Und siehe da: Auf einmal verzettelten sich die Gastgeber zunehmend und eröffneten den Gästen die Chance auf leichte Tore. So ergab sich eine vorentscheidende Absetzbewegung von 5:6 auf 5:13 zum Pausentee.

Eigentlich ein Halbzeitstand, wie er im Buche steht. Um keine unnötige Hektik aufkommen zu lassen, sollte nach Wiederanpfiff an die gute Phase wieder angeknüpft und dem Gegner kein weiter Spaß am Spiel gestattet werden, so die kommunizierte Direktive der Übungsleiter innerhalb der kühlen Katakomben des Crystal Palace.

Das Folgende ist im Rückblick schwer zu bewerten: Die zweite Hälfte zog sich hin wie Kaugummi, war noch spannungsärmer als vorher und ließ – vielleicht aufgrund des fehlenden Spektakels – vor allem die Momente erinnernswert erscheinen, in denen es nicht so flutschte. Wer kann sich über einen mit 8 Toren Abstand herausgespielten Auftakt- und Auswärtssieg ernsthaft beschweren? Das heißt ja – rein faktisch betrachtet - im Umkehrschluss nur, dass der Halbzeitabstand gehalten und dem Gegner keine Chance mehr gelassen wurde an der Aufholjagd zu schnuppern. Zwischenzeitlich waren die Gäste ja immerhin auf 12 Tore davon gezogen (9:21). Irgendwie auch menschlich verständlich hier nicht konsequent am Limit agiert zu haben. Pferdespringen usw...

Eine gewisse Unzufriedenheit ob der zunehmenden Konzentrationslücken in Angriff wie Abwehr auf Seiten der Schöneberger war dennoch nicht zu verhehlen. Da wurden hier Bälle vertändelt und da konzeptlos agiert, was den schnellen Friedrichshainer Jungspunden zu schnellen Gegenstößen verhalf. In der Gesamtabrechnung letztlich unbedeutend, aber aus kosmetischer Sicht unerfreulich.

Nun kann man sagen: Ist doch gut, wenn sich die Unzufriedenheit auch trotz eines ungefährdeten Sieges Bahn bricht. Die Unzufriedenheit den Gegner nicht – salopp gesagt: – vollends platt gemacht zu haben. Die Unzufriedenheit über mangelnde Absprache in gewissen Abläufen, fehlende Cleverness im individuellen und gruppentaktischen Spiel, Unzufriedenheit gegenüber Schiedsrichterentscheidungen (die aber – nebenbei gesagt – an diesem Nachmittag so überflüssig wie ein Heizpilz in der Sahara war). Das zeigt ja nur, dass der Anspruch ein anderer ist und war. Narva II wird sich sicher noch entwickeln und im Rückspiel deutlich unangenehmer daher kommen, am Sonntag war die Truppe keine wirkliche Prüfung für die zweite Wahl Schönebergs.

Die Marschroute wird in dieser Spielzeit manchmal (!!!) sein müssen, die Fokussierung und Spannung für die kommenden Aufgaben nicht auf das reine Erstreben von Punkten, sondern aufs Durchbringen des eigenen Spiels und Dominieren des Gegners auszurichten. Das ist eine mentale Frage, die mit Sicherheit nicht nach einer Partie zufriedenstellend beantwortet werden kann.

Unaufgeregt. Eine Zustandsbeschreibung, die in ihrer unschönen Sperrigkeit nicht gerade elegant daher kommt, der aber dennoch eine unvergleichliche Präzision innewohnt. Unaufgeregt ist eben nicht gleich zu setzen mit lässig. Oder verschlafen. Von gechillt gar nicht zu reden. Unaufgeregt heißt laut Duden: „ruhig, gelassen; ohne Hektik“. Eine – wie der Verfasser meint – vielfach wünschenswerte Ausprägung menschlicher Gefühlswelten. Wenn mehr Menschen unaufgeregt wären, würden sie vielleicht weniger Scheiße machen beim Gang an die Wahlurne, im alltäglichen Familien- oder Berufsleben. Oder beim Handballspielen und der nachträglichen Analyse desselbigen.

Unaufgeregt sollte diese Partie als das wahrgenommen werden, was sie war. Ein Auftakt. Ein erfolgreicher noch dazu. Nicht mehr, nicht weniger. Natürlich ist noch viel zu tun. Ein zwingendes Angriffsspiel und effiziente Abwehrarbeit bedarf auch einiger Unaufgeregtheit, wie man im Hinblick auf die OSF-Truppe an zeitweiliger Kopflosigkeit gegenüber Abwehrmodifizierungen auf Gegners Seite und Schiedsrichterentscheidungen gut ablesen konnte.

Es wird wohl zwangsläufig darum gehen, die entsprechenden Kernbereiche in der Trainingsarbeit anzugehen, um dem eigenen Anspruch auch in Zukunft gerecht zu werden. Unaufgeregt, versteht sich. Schnelligkeit beginnt halt im Kopf.

Ach ja: Was wirklich richtig Kacke war: die 7-m-Quote. Heidewitzka. Hier muss dringend trainiert werden. Auf jeden Fall schien hier ein wenig zu viel Unaufgeregtheit im Spiel gewesen zu sein. Oder Aufgeregtheit...? Keine Ahnung. Muss besser werden.

Die Zwote blickt schon der nächsten Aufgabe entgegen: Am kommenden Sonntag kommt die HSG Kreuzberg auf den Geisberg. Anpfiff wird um 17:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit sein. Vorher gibt’s natürlich auch schon buntes Programm mit den Ruchlosen & Co. Wohlan, Ihr Rabauken – Unterstützung ist gern gesehen!

Die Redaktion

i. A. Martin Eitner

 

es spielten:

Felix Volz (TW), Zacharias Ahmed (4), Jörg Reichwald, Jonas Römer (4), Benjamin Noichl (2), Philipp Böttcher (6), Dustin Höfer (3), Steffen Giebeler, Manuel Manteuffel (2), Martin Eitner (1/1), Hendrik Schmidt (3), Julian Tiedtke

SG NARVA Berlin II - SG OSF Berlin II
18:26 (5:13)