Spielbericht
2. Männer   vs.   BFC Preussen II

09.10.2016

Doppel-Duell gegen Preussen II

SG OSF Berlin

2. Männer

22 - 19
BFC Preussen

BFC Preussen II

Liebe Gemeinde,

mit ordentlich Verzug in der Nachrichtenproduktion möchten wir nochmal auf die letzten beiden Partien der 2. Männer kommen. Dafür aber richtig. Landesliga-Spielplan und HVB-Pokal-Losfee sorgten für ein handballerisches Double-Feature der selteneren Art: Zweimal direkt aufeinander folgend hieß der Gegner BFC Preussen II, der Spielort Geisbergstraße und die Aussicht auf einen Erfolg der Guten „machbar, aber ätzend unangenehm“.

Landesliga. 2.10.2016. Geisbergstraße. SG OSF II  vs.  BFC Preussen II  26:26 (13:14)

Wie sollte man die Lankwitzer Adler im Vorfeld einschätzen? Ein Blick auf die Liga-Ergebnisse zu Saisonbeginn sorgte weit mehr für Verwirrung denn für Aufklärung. Im Sommer noch ein ausgewilderter Haufen, von dem nach der allgemeinen Mobilmachung für die neu zu erfindende erste Mannschaft für die Verbandsliga kaum noch etwas übrig gewesen war, schickt sich an auf high level zu performen. Zum Auftakt Buckow weggeballert, danach Absteiger Rotation auswärts – dem Ergebnis nach – an die Wand gespielt. Walla.

Der Kenner kennt natürlich die Gründe für diese, Phönix aus der Asche gleiche, Auferstehung aus Ruinen (Talk to the Phrasenschwein): Sie sind zahlreich, haben Namen, die man in Handball-Berlin kennt und tragen teilweise schon kleine Bäuche vor und süße Kinder neben sich her. Erfahrung en masse, gekoppelt mit jugendlichem Elan und das vermeintliche Antlitz eines Underdogs ergeben einen bemerkenswerten Cocktail. Hier präsentierte sich eine Mannschaft, die vom Trainer bis zum Zeugwart ganz offensichtlich (nochmal) Bock auf Handball hat und dazu auch noch die Klasse ihren Plan in die Tat umzusetzen und zu einer richtigen Plage heranzuwachsen.

Gewarnt gingen die Schöneberger Hausherren in die Liga-Partie in der Vorwoche. In der anderen Hallenhälfte machte sich eine gut gefüllte Preussen-Kapelle warm, der man nur auf den ersten Blick eine nicht angemessene Lässigkeit attestieren konnte. Beim genaueren Hinsehen war klar, dass hier einiges auf die zweite Wahl Schönebergs zukommen könnte. Wenn die Namen Plötz und Schwabe sowie jemals zweimal Kretschmer und Gottschalk auf dem Protokoll stehen, sollten die Sinne geschärft werden – auch wenn sich die Preussen in der ihnen eigenen Bescheidenheit auch noch im Nachbericht der Partie als Quasi-völlig-überrascht-von-der-eigenen-Qualität-und-nun-vielleicht-doch-nicht-automatisch-Absteiger beschrieben, bei dem einige Akteure „den Ball jahrelang (in einigen Fällen sogar jahrzehntelang) nicht in der Hand hatten“… Wtf? Ehrlich? Jahrzehntelang? Is ja mega!

Des Verfassers Zynismus hat Gründe, schließlich hat er mit einigen gegnerischen Akteuren teilweise jahrelang (gefühlt sogar jahrzehntelang…) zusammen spielen dürfen. An dieser Stelle liebe Grüße an meinen schreibenden Kollegen Woody, der seinerseits Vorlagen genießerisch zu nutzen weiß und dies im umgekehrten Fall ganz sicher nicht in den falschen Hals bekommt.

Die Partie:

Die OSF-Truppe, ohne den erkrankten Torsteher Volz, dafür aber mit Nachwuchsmann Wey und Ex-Trainer Dabel zwischen den Pfosten und einem bis in die letzte Spielprotokollzeile gefüllten Mannschaftsstab zu diesem Spitzenspiel angetreten, hoch motiviert und guter Dinge, gelang zunächst wenig – abgesehen davon vermehrt in Rückstand zu geraten. Bereits in der Anfangsphase wurde die große Schöneberger Abwehr-Mailaise für alle in der Halle Versammelten allzu offensichtlich. Der Zugriff auf Ex-OSF-Coach Schwabe fehlte komplett, sodasss der – Zitat Preussen: – „Gentleman mit der linken Klebe“ (Wtf? Ehrlich? Gentleman mit der linken Klebe? Come on!) ungestört und gewohnt clever aus der Distanz einnetzen konnte. Zu spät in der weiteren Phase des Spiels reifte die Erkenntnis die (in athletischer Hinsicht überschaubaren) Kreise des (in taktischer Hinsicht hervorragend) Strippen ziehenden Halbrechten doch früher und deutlicher hätte einengen sollen. Allein: eine offensivere Herangehensweise erschien an diesem Abend offensichtlich den Wenigsten als attraktive Waffe, verstanden sich doch auch die übrigen Preussen durch geschickte Verlagerungs- und Übergangsbewegungen auf der einen und gewohnt brachiale Eins-gegen-eins-Gewalt in Person von Robin Kretschmer auf der anderen Seite wirkungsvoll Unruhe zu stiften. Und wenn ein Spieler erstmal in unmittelbarer Nähe zum 6-m-Raum war am Torabschluss gehindert wurde, gab es Siebenmeter. Nicht falsch verstehen: den gab es auf beiden Seiten. Der allein pfeifende und mit dieser Partie völlig überforderte, nicht spielentscheidende Referee sprach beiden Seiten die gleiche Anzahl an Strafwürfen (7) und annähernd die gleiche Anzahl an Pausen (9 zu 7 Zwei-Min.-Strafen) zu. Nur war Preussen in Person von – genau – Alex Schwabe eben eiskalt vom Punkt, während den Schönebergern in dieser Spezialdisziplin irgendwann vor Saisonstart die Cojones sowie nötige Fortune abhandengekommen zu sein scheinen. 

Auf der Schönebeger Habenseite waren vor allem ein trefflich aufgelegter Jonas Römer mit beherzten Aktionen und platzierten Rückraumwürfen zu erwähnen und der, zunächst noch erfolgreiche, Versuch den Ball wieder effektiver durch die eigenen Reihen wandern zu lassen. Die gesamte erste Hälfte blieb eng, keine der beiden Mannschaften konnte sich mehr als zwei Treffer absetzen. 13:14 aus Sicht der Gastgeber zum Pausentee und die Einsicht, dass hier ein ganz schönes Brett gebohrt werden müsste. Zugleich wuchs aber auch die Hoffnung, dass eine Tempoverschärfung in absehbarer Zeit zum körperlichen Verfall der bisher kaum pausierenden Stammakteure führen könnte.

Durchgang Zwei kurz zusammengefasst: Es änderte sich nicht viel. Minimal bessere Deckungsreihen sorgten für eine noch kampfbetontere, mitunter spürbar ruppige Atmosphäre. Die Stimmung schwappte auf die Tribüne über und wurde – sagen wir mal: – launig. Vielleicht auch ein kleines bisschen aggressiv, aber nichts, was über das Spielende hinaus erwähnenswert gewesen wäre. Warum Fäkalpennälersprache vom obersten Aufsichtsherren nicht genauso hart sanktioniert wurde wie erzürntes Erkundigungen nach Gründen für Entscheidungen, bleibt dennoch im Dunkeln.

Teilweise gestaltete sich das Spiel enorm fahrig und wurde v. a. von Einzelaktionen geprägt – nie jedoch langweilig. Weiterhin brach keine der beiden Parteien ein.

Zehn Minuten vor Ultimo hatte der Verfasser dann das Gefühl, dass beim Südberliner Gegner die Kräfte und somit auch Ideen schwanden. Die nötige Endspurtfrische schien nun auf Seiten der Schöneberger zu sein. Dieser Eindruck wurde durch vermehrte Ballgewinne bestätigt – man setzte sich kurz vor Schluss mit zwei Toren ab –, allerdings versäumten die Hausherren daraus entscheidenden Profit zu ziehen. Allein drei weggeworfene Bälle in der Schlussphase führten zu einer höchst spannenden Schlussphase, in der für sich genommen Preussen mit einem Treffer in doppelter Überzahl wenige Sekunden vor Schluss das bessere Ende für sich hatte.

Der Endstand von 26:26 lügt nicht. In Anbetracht des Spiels ein gerechtes Ergebnis, wenn auch aus Schöneberger Sicht letztlich etwas unglücklich und deshalb zunächst mit Kopfschütteln quittiert. Die Gäste haben an diesem Abend alles in die Waagschale geworfen und wurden dafür belohnt.

 

CUT

 

Eine Woche später. Wieder Preussen II, diesmal im Pokal. Alles klar soweit.

Denkste. Der Pokal hat eben seine eigenen Gesetze – und sei es in diesem Fall der Umstand, dass aus Preussens Wundertüte diesmal nur 7 Feldspieler + Torsteher heraus kamen. Das sorgt natürlich für ein Stimmungshoch und absolute Konzentration beim Warmmachen. Ein Psychotrick, um die OSF-Farben in Sicherheit zu wiegen? Mitnichten, aber vorläufig bis zum Anpfiff nicht auszuschließen.

Immerhin: Vollstrecker Schwabe und die mobile Abrissbirne Kretschmer waren wieder am Start, eine insgesamt spielfähige Truppe stellte sich den Schönebergern immer noch entgegen.

Selbstverständlich würde die Zeit für die Hausherren spielen, sich konditionell beizeiten die fehlenden Alternativen bei den Lankwitzer Adlern bemerkbar machen. So zumindest die Denke. Defensiv sollte der nach den Ereignissen der Vorwoche entwickelte Plan mit einer halboffensiven Deckung und klarer Absprache gegenüber Schwabe bemerkbar machen. Am Ende sollten für den Alt-Preussen und ehemaligen OSF’ler nicht mehr wie in der Vorwoche 15, sondern nur noch zwei Treffer zu Buche stehen. Sogar einer seiner Siebenmeter wurde vom gut aufgelegten Tormann der Schöneberger, Felix „Socke“ Volz, entschärft. Zu sehr auf eine Person sollte man sich aber nicht konzentrieren, wie Preussen erfolgreich demonstrierte. Speziell Eisenfuß Kretschmer sprang in die Bresche und kam, wenngleich weniger mittels Durchbruch-, sondern vielmehr über Einläufer-Situationen, zum Erfolg. Vorweg gesagt: Auch an diesem Tag sollte sich ein hinten heraus enges Spiel entwickeln. In Durchgang Eins zeitigten die gewählten Schöneberger Mittel noch Erfolge, der Ball lief mehr oder weniger zufriedenstellend und wurde, wenn auch unter Mühen so doch regelmäßig, in die Maschen gesetzt. Mit einem 11:8 ging es in die Kabinen.

Jetzt sollte die große Absetzbewegung kommen. Also genau die, mit der immer alle rechnen und die in schöner Regelmäßigkeit zugunsten einer Aufholbewegung des Gegners ausbleibt. So auch in diesem Fall: Nach einem ermutigenden 13:9 in der 35. Minute verlässt die zweite Wahl Schönebergs jeglicher Sinn fürs Spiel. Der Angriff erlahmt vollständig und wird, wahrscheinlich aus dem Gefühl der Hilflosigkeit, zu einem Übungsfeld für Solo-Künstler. Dies zieht automatisch unmittelbare Folgen für die Deckung nach sich: vorne verlorene Bälle landen schneller im OSF-Kasten, als die Gastgeber sich gegenseitig und die Schiedsrichter anschnauzen können. Preussen holt auf, überholt gar und stellt das Spiel augenscheinlich auf den Kopf. Siebenmeter werden verworfen, die Verlustquote liegt zu diesem Zeitpunkt bei tatsächlich 100%. Jedes eigene Tor wirkt wie unendlich hart erarbeitet.

Und dennoch waren zu diesem Zeitpunkt noch 15 Minuten zu spielen, sozusagen noch gar nichts passiert. Trotz allem Momentums auf ihrer Seite wurden die Preussen-Akteure logischerweise nicht frischer. Beim 17:17 hatten sich die Schöneberger wieder etwas besser im Griff, schlugen zurück und konnten sich über 19:18 schließlich dann doch in den Schlussminuten ungefährdet durchsetzen. Unglaublich moralisch hilfreich waren in diesem Zusammenhang die nun endlich verwandelten Strafwürfe durch Schütze Nr. 4, Zachus Rex. Mercigracias an dieser Stelle nochmal, auch an alle Zuschauer und/oder Stimmungsmacher aus beiden Partien sowie die Aushelfer aus anderen Teams!

Die Zwote genießt jetzt eine ferienbedingte Pause, die Lädierten im Mannschaftsgefüge lecken Wunden und mit Spaß an der Freude soll in den nächsten Partien wieder Zählbares eingefahren werden.

 

Die Redaktion –  i. A. Martin Eitner

 

Aufstellung Liga-Spiel (2.10.)

Paul Dabel (TW), Hagen Wey (TW), Philipp Böttcher (2), Jörg Reichwald (4/2), Jonas Römer (7), Sascha Höfer (2), Steffen Giebeler (3), Manuel Manteuffel (5/2), Martin Eitner, Hendrik Schmidt, Julian Tiedtke, Felix Kloss, Benjamin Noichl (3), Emil Schröder

 

Aufstellung Pokal-Spiel (9.10.)

Hagen Wey (TW), Felix Volz (TW), Philipp Böttcher (4), Zacharias Ahmed (4/2), Lennart Attenberger, Jörg Reichwald (1), Martin Eitner, Benjamin Noichl (1), Jonas Römer (5), Sascha Höfer (1), Emil Schröder, Dustin Höfer, Manuel Manteuffel (6)

SG OSF Berlin II - BFC Preussen II
22:19 (11:8)