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Ist das Ehrenamt noch attraktiv? Sind Sportvereine noch zeitgemäß?

von Hannah Hauswaldt

Tag des Ehrenamts

Viele Organisationen leben vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. Kirchen, Freiwillige Feuerwehr, Sozialverbände und nicht zuletzt auch die Sportvereine sind nur einige von vielen Möglichkeiten, Dienst an der Gesellschaft zu leisten. Schätzungen zufolge engagieren sich in Deutschland rund 30 Millionen Menschen ehrenamtlich. Trotz dieser hohen Zahl, scheint das Ehrenamt aber in einer Krise zu stecken. Überall hört man, dass die Zahl der sich Engagierenden rückläufig ist und viele Organisationen händeringend Nachwuchs suchen. Vielen Sportvereinen wird eine schwierige Zukunft vorausgesagt, nicht jeder Verein wird den Kampf um Ehrenamtler/Innen erfolgreich bestreiten. Die Folge wird sein, dass Vereine ihre Angebote reduzieren, die gewohnte Qualität nicht halten können oder am Ende sogar ganz von der Bildfläche verschwinden.

Da auch unsere SG vom persönlichen Engagement der Mitglieder/Innen lebt, haben wir uns unsere Situation mal genauer angeschaut. Die SG, die aus drei Stammvereinen besteht, gehört mit ihren rund 650 Handballern zu den größten Anbietern für Handballsport in Berlin. Mit 31 Mannschaften stellt kein anderer Verein ein so breites Angebot für Mädchen, Jungen, Frauen und Männer zur Verfügung. Die Gruppe der Trainer/Innen und Betreuer/Innen ist daher auch die größte Gruppe an Ehrenamtlern/Innen, die wir in der SG beschäftigen. Eine unschätzbare Stütze in unserer Gesellschaft! Um die handballerische Qualität aufrechtzuerhalten, versuchen wir jedes Jahr neue Trainer/Innen in diesen Kreis aufzunehmen und sie auszubilden. Zu jeder neuen Saison werden fünf bis zehn neue Trainer und Trainerinnen benötigt. Es bedarf mehr als gute und engagierte Trainer/Innen, um ein solch attraktives Angebot anbieten zu können. Insbesondere die vielen Tätigkeiten im Hintergrund, die zunächst womöglich niemandem auffallen, sind essentiell für unsere SG. Trotz einer Vielzahl von überdurchschnittlich engagierten Menschen in der SG OSF machen auch wir uns Gedanken um die Zukunft. Diese Maschinerie am Laufen zu halten, wird immer aufwändiger, die Suche nach neuen Mitstreitern/Innen zunehmend schwieriger und die Last der Verantwortung verteilt sich nur auf relativ wenige Schultern. Viele kommen innerhalb ihres Aufgabenbereichs an ihre Leistungsgrenze und es ist unübersehbar, dass dies teilweise zu Frust führt. Es ist absehbar, dass wir in verschiedenen Bereichen Nachfolgeregelungen treffen müssen und auch bei uns damit zu rechnen ist, dass langjährig Engagierte den Beschluss fassen, sich auf andere Dinge im Leben konzentrieren zu wollen. Ausschlaggebend für ein langjähriges Bestehen der SG und so auch der Zukunft des Handballs in dieser Form in Schöneberg und Friedenau, ist die Gewinnung neuer, engagierter Mitglieder/Innen für die Ehrenamtsarbeit. Wir wollen aber nicht zu tief in das übliche Gejammer einsteigen, sondern konstruktiv überlegen, was die ehrenamtlichen Tätigkeiten im Verein ausmachen.

Unsere Gesellschaft befindet sich mitten in einer Zeit des Wandels und so verändert sich auch das Leben in den Vereinen. Ist man damals noch einfachheitshalber in den Sportverein vor der Haustür eingetreten, hat sich dort spielerisch sowie menschlich entwickelt und sich dadurch diesem verbunden gefühlt, ist das heute anders. Heutzutage sind ständige Vereinswechsel durch die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft die Regel – sobald ein anderer Verein ein besseres Angebot macht, wird über einen Wechsel zumindest nachgedacht. Diese ständigen Wechsel vermindern die Bindung an einen Verein und somit auch die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Zeitgleich ist allerdings auch die Erwartungshaltung der Spieler, derer Eltern und auch der öffentlichen Einrichtungen an den Verein gestiegen. So wird schnell vergessen, dass Vereine nur durch das ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder/Innen funktionieren können. Lassen sich nicht genug Ehrenamtliche im Kreis der Mitglieder finden, bleiben Aufgaben unerledigt. Letztendlich ist ein Verein immer nur so stark wie seine Mitglieder, die bereit sind, einen Beitrag zur Gestaltung des Vereins beizutragen. Vereine stehen also vor der Frage, wie ehrenamtliche Arbeit wieder attraktiver gestaltet werden kann, sodass sich in Zukunft genug Mitglieder angesprochen fühlen, sich zu engagieren. 

Im Januar diesen Jahres hat unser Vorstandsmitglied Max Gehann gemeinsam mit Sabrina Brandt (4. Frauen), während der Handball WM, am DHB Workshop zum Thema Ehrenamt teilgenommen. Die Empfehlungen klangen einfach: genaue Aufgabenbeschreibung, kleines Aufgabengebiet, begrenzter Zeitraum der Tätigkeit, wenig Vorkenntnisse, niederschwellige Angebote, eine gute Einarbeitung und eine enge Begleitung durch erfahrenere Ehrenamtliche. Wir haben im Laufe des Jahres versucht nach diesem Schema vorzugehen und haben Menschen aus dem Umfeld der SG angesprochen – teilweise mit Erfolg!

 

In einer kleinen Serie auf den sozialen Netzwerken möchten wir euch die neu gewonnenen Engagierten vorstellen und auch euch ermuntern, ein Teil unseres Teams zu werden. Mit eurer Unterstützung könnten wir noch mehr Aufgabenfelder abdecken und als Verein von innen wachsen. Deswegen laden wir euch am 16.11. zum OSF-Tag des Ehrenamtes ein. Informiert euch während der Spiele unserer Oberligateams über die ehrenamtliche Arbeit in unserem Verein. Sprecht direkt mit den Vorstandsmitgliedern und tauscht euch mit Ehrenamtlichen über ihre Erfahrungen aus. Schaut euch an, welche Aufgabenbereiche noch dringend zu besetzen sind und werdet so Teil einer Erfolgsgeschichte, um Handball in Schöneberg auch in Zukunft noch erfolgreich erleben zu können!

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