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Punkte für Preussen – Geldstrafe für OSF: Regelwerk vor Verantwortung?

von Hannah Hauswaldt

Liebe Gemeinde,

die Spielleitende Stelle der Ostsee-Spree Liga hat nun mitgeteilt wie das Spiel der 1. Männer gegen den BFC Preussen gewertet wird: Der BFC Preussen bekommt die zwei Punkte und wir eine Geldstrafe über 325 € wegen „schuldhaftem Nicht-Antretens“. (Wer die Vorgeschichte nicht mitbekommen hat, kann sie hier nochmal nachlesen: https://www.sg-osf.de/index.php/news/hintergruende-zur-absage-des-spiels-der-1-maenner.html)

In der Urteilsbegründung heißt es wie folgt: "Die SG OSF Berlin hat im Vorfeld der Partie bei der Spielleitenden Stelle telefonisch angefragt, ob das Spiel wegen eines sich in Quarantäne befinden Spielers des BFC Preussen verlegt werden kann. Diese Verlegung wurde aufgrund nicht ausreichender Legitimierung durch die Durchführungsbestimmungen der Oberliga Ostsee-Spree (Punkt 20.1) abgelehnt. [...] Die Begründung, dass ein Negativtest auf eine Covid-19-Infektion des genannten Spielers vom BFC Preussen nicht vor Spielbeginn vorlag, ist unerheblich und somit die Spielabsage unberechtigt."

Zunächst möchten wir noch ergänzen, dass dies als Absagegrund zu kurz greift und von uns auch so dargestellt wurde.

Grundsätzlich gilt es als gesichert, dass die Ansteckungsfähigkeit einer SARS-CoV-2 Infektion in der Zeit um den Symptombeginn am größten ist (Quelle: SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit, Robert-Koch-Institut). Unter Berücksichtigung des Zeitraums der angeordnet häuslichen Quarantäne durch die Behörden und dem Zeitpunkt der potenziellen Ansteckung, ergibt sich, dass der betroffene Spieler zu einem Zeitpunkt am Mannschaftstraining teilgenommen hat, als er sich potenziell am Höhepunkt der Ansteckungsfähigkeit befand. Die daraus folgenden Konsequenzen, erweiterte Quarantäne, potenzielle Neuinfektionen, sind nicht zu verantworten, gerade unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen. Dieser Teil erfuhr offenbar keine Würdigung bei der Urteilsfindung.

Seit der Absage dieses Spiels haben wir in der SG mehrere vergleichbare Fälle. Es gab sechs Mitglieder im Jugendbereich, die einen intensiven Kontakt mit positiv getesteten Personen hatten und anschließend unwissend bei uns im Training waren. Bei diesen Fällen lag zum Zeitpunkt des anstehenden Spiels ebenfalls kein Testergebnis vor. Wir haben daraufhin die jeweilige Spielleitende Stelle und den Gegner direkt kontaktiert und gemeinschaftlich beschlossen insgesamt fünf Spiele abzusagen und neu anzusetzen. Im Nachhinein erhielten zwei Spieler ein positives Testergebnis. Dies belegt die Wahrscheinlichkeit, bei einem nicht vorhandenen Testergebnis eine drastische Infektionskette auszulösen, indem man die Möglichkeit eines positiven Tests ignoriert. Des Weiteren zeigen diese Vorfälle auch, dass das im Nachhinein erhaltene negative Ergebnis des Preussenspielers zum Zeitpunkt unserer Entscheidung keine Relevanz hatte.

Was sagt uns nun dieses Urteil? Hinter dem Spielbetrieb der Ostsee-Spree Liga und somit hinter der Entscheidung stehen die Landesverbände von Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Damit hat diese Entscheidung eine Tragkraft über die Grenzen von Berlin hinaus. Die Spielleitende Stelle macht deutlich, dass wir hätten antreten müssen, um einer Bestrafung zu entgehen. Die Bedenken einer Mannschaft, das Verantwortungsbewusstsein für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs und der Schutz der eigenen Gesundheit und der anderer, ist gegenüber dem Regelwerk als nachrangig zu betrachten. Einem Regelwerk, das in diesem Punkt nicht für den Umgang mit Situationen in Pandemie-Zeiten entwickelt wurde. Es wird auch klar gezeigt, dass der Aufruf zur Eigenverantwortung eher als Phrase dient und die besonderen Umstände der Pandemiezeit außer Acht gelassen werden, um weiter an dem nicht aktuellen Regelwerk festzuhalten.

Es ist auch die Bestätigung dafür, dass der BFC Preussen richtig gehandelt hat. Eine rechtzeitige Information des Gegners und der Spielleitenden Stelle über offizielle Kanäle ist ebenso wenig erforderlich wie die eigene Initiative von sich aus eine Spielverlegung anzuregen.

Aus unserer Sicht senden die Verbände ein völlig falsches Signal an die Vereine. Es wäre die Chance gewesen, die Vereine zu stärken, die mit Verantwortungsbewusstsein und viel Aufwand versuchen, spiel- und pandemiegerechte Lösungen zu finden. Dies erfolgt aber nicht. Diese Vereine bekommen keine Bestätigung für ihr Handeln, sondern werden abgestraft.

Wie werden Vereine das nächste Mal entscheiden, wenn sich eine solche Situation ergibt? Sie werden genötigt, gegen ihre Überzeugung und Bedenken in einem Spiel anzutreten. Wer drei Mal nicht antritt, steigt ab! Es ist auch das Signal, dass wir als SG in den beschriebenen Fällen im Jugendbereich übertrieben vorsichtig gehandelt haben. Gemäß diesem Urteil hätten wir unsere im Nachhinein positiv getesteten Spieler bedenkenlos spielen lassen können. Es lag ja schließlich kein Testergebnis vor….

Hätten die Verbände anders entscheiden können? Dieses Urteil mit seinen Auswirkungen ist eine Katastrophe. Wir sind davon überzeugt, dass zur Vermeidung eines solchen Signals andere Lösungen zu finden waren und es Aufgabe der Verbände ist, eine solche Lösung zu finden. Wir möchten an dieser Stelle nochmal klar zum Ausdruck bringen, dass es uns nicht um die verloren Punkte oder die zusätzliche Bestrafung geht, sondern um das Signal und die Wirkung dieses Urteils. Unsere Entscheidung wurde bewusst unter Einbeziehung der möglichen Konsequenzen getroffen und wir würden diese auch in Zukunft so treffen.

Verschiedene Beispiele aus der Ostsee-Spree Liga zeigen aktuell, dass eine offene Kommunikation zwischen Vereinen möglich ist und gemeinsam eine Lösung gefunden werden kann (bspw. Ludwigsfelde – Teltow). Aus unserer Sicht ist in der aktuellen Lage eine offene Kommunikation zwischen den Vereinen, die auch über das regeltechnische Notwendige hinausgeht, einer der zwingenden Grundlagen, um den Spielbetrieb weiter aufrechterhalten zu können.

Auch die Spielleitende Stelle hat das Spiel nach Bekanntwerden der Umstände nicht abgesetzt. Andere Spielleitende Stellen haben die gleiche Konstellation anders bewertet: http://www.handball-world.news/o.red.r/news-1-1-66-127129.html?fbclid=IwAR1-9B6DRJAincjVl3p-BSVoQeuVafFnyzVvrFmKEMTYY19So4om8vy9g3cV. Das endgültige Urteil hat nun ja auch die Richtigkeit des Handelns der Spielleitenden Stelle bestätigt.

Eine weitere Möglichkeit zu einer anderen Lösung zu kommen, wäre übrigens auch das Entgegenkommen des BFC Preussen gewesen, einer Neuansetzung zuzustimmen. An den Erklärungen durch den Trainer und den Abteilungsleiter nach dem Spiel, einer solchen nicht zuzustimmen, hat sich aber nichts geändert.

Unsere Entscheidung sollte auch dazu beitragen, eine mögliche vorzeitige Einstellung des Spielbetriebs zu verhindern und kein Super-Spreader-Event hervorzurufen. Wir stehen gefühlt unmittelbar vor der Einstellung des Spielbetriebs aufgrund steigender Infektionszahlen. Bisher wurde der Hallensport im Amateurbereich nicht als Ort der Verbreitung identifiziert. Dies sind eher andere Orte wie die Partyszene, Familienfeiern o.ä. Damit dies so bleibt legen sich viele Vereine mächtig ins Zeug. Auch die Verbände sollten alles dafür tun, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Dafür ist ein solches Urteil absolut das falsche Zeichen. Es fördert und fordert geradezu den leichtfertigen Umgang mit offensichtlich erkennbaren Risiken und legitimiert es, diese in Kauf zu nehmen.

Wir haben intern entschieden an unserer Linie festzuhalten. Wir werden weiterhin niemanden zwingen oder versuchen zu überreden gegen seine Überzeugung in ein Spiel zu gehen. Wir werden in der schwierigsten Saison, die wir je hatten, weiterhin die sportliche Platzierung hinter die Verantwortung stellen und werden notfalls auch weiterhin Strafen bezahlen.

Wir haben gesehen, dass bei rechtzeitiger Kommunikation und dem Wohlwollen der Vereine untereinander, andere Lösungen zu finden sind. Wir fordern die Verbände auf, das Regelwerk laufend anzupassen, die Handlungsoptionen klarer zu beschreiben und den Spielraum für die Vereine zu erweitern.

Die gesamte SG OSF Berlin

 

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